Artikel
8 Kommentare

Wie es sich anfühlt, nach einer längeren Reise zurückzukommen

heimkommen reise

Das Flugzeug setzt auf, du bist erleichtert (überlebt zu haben – ciao Flugangst bis zum nächsten Mal) und stehst wie immer als Letzter auf. 

Du verabschiedest die Stewardessen – auf Englisch, weil du es schon so gewohnt bist – und steigst den ersten Schritt aus dem Flugzeug. 

Deine braungebrannten Füße in den durchgelatschten Flip-Flops sind nicht mehr an Temperaturen jenseits der 25 Grad-Marke gewohnt. 

Nach ein paar Warteschlangen und dem Hoffen, dass auch dein Gepäck die 30 Stunden Heimreise mitgemacht hat, trittst du nach dem irrsinnigen Nervös-Gefühl an der Zollkontrolle ins Freie. 

Da ist sie wieder. 

Die deutsche, kalte Luft. 

Daheim-Luft. 

So vertraut und gleichzeitig so fremd.

Du solltest dich doch freuen! 

Zuhause wurdest du vermisst. 

Du kannst nach Monaten endlich wieder deine Familie in die Arme schließen.

Einen trinken gehen mit deinen Freunden.

Alle wiedersehen.

In deinem Bett schlafen.

Oh, und wie hast du doch das gute deutsche Essen vermisst. Vollkornbrot, Käse, ein dickes Stück Kuchen von deinem Lieblingsbäcker.

Doch nach Freude fühlt es sich irgendwie so gar nicht an.

Der Morgen nach der ersten Nacht Zuhause ist wohl der Schlimmste.

Neben dir liegen nicht mehr deine Travelbuddies, mit denen du die letzten Wochen so viel Zeit verbracht hast, dass es sich schon komisch angefühlt hat, mal alleine im Bad zu sein.

Deine Tage beginnen nicht mehr mit der Frage, wo du frühstücken sollst und ob das Wetter strandtauglich ist oder du lieber durch Märkte und Straßen ziehen sollst.

Vor dir liegen plötzlich keine Abenteuer mehr: Keine Rollerfahrten durch endloses Grün, keine Palmen, keine Wellen, kein Meer, keine Sonnenmilch, kein abendliches Flanieren in den Straßencafés, keine sich immer wiederholenden Backpacker-Gespräche, keine stundenlangen Busfahrten ohne Gurt, keine viel zu kurzen Nächte mit viel zu vielen Gin Tonic, Zigaretten und zu wenig Schlaf.

längere Reise

Vor dir liegt jetzt wieder der Alltag!  Die „reale Welt“!

Willkommen zurück liebe Pflichten, Hallo lange To-Do-Listen, Guten Tag reales Leben.

Sagen, dass man sich komisch fühlt, darf man übrigens nicht!

Denn das ist lächerlich. Jammern auf hohem Niveau.

„Wird Zeit, dass du wieder zurück bist, das war ja wohl lange genug!“

„Schau zu, dass du mal wieder arbeitest und Geld verdienst!“

„Das hier ist nunmal die Realität“

… schlägt es einem von allen Seiten entgegen. 

Aber war denn die Reise nicht real? War das wirklich nur die Auszeit vom Leben. Unecht? Künstlich? Eine auf Stop gedrückte Unterbrechung von der „harten“ Wirklichkeit.

Wieso hab ich mich dann so verdammt lebendig gefühlt? 

Bei dem Rückwärtssprung über Bord einer Nussschale mitten im indischen Ozean, nichts unter mir als metertiefe Dunkelheit und riesige Mantarochen?

Das Leben habe ich gespürt nach 20km Wanderung durch den Dschungel Summatras, vereint mit der Natur, bei atemberaubenden Aussichtspunkten von Klippen hoch über dem Meer. Aber auch einfach nur, wenn ich den warmen, aufgeheizten Asphalt unter meinen Fußsohlen gespürt habe. Wenn ich mich in brausende Wellen geschmissen habe und unter sie hindurch getaucht bin, ohne mir Gedanken darüber zu machen, wie meine Frisur danach sitzt. 

Wieso fühlt sich eine dreiwöchige Urlaubsromanze so viel intensiver und verbundener an, als jahrelange Beziehungen daheim? Weil man für alles offener ist! Nicht misstrauisch, nie gestresst, immer entspannt … Generationstypische Dating-Regeln gelten nicht, alte Verletzungen und emotionales Gepäck sind wie weggeblasen, vergessen und in die Ecke gestellt.

12 Wochen mit einem 8 Kilo-Rucksack, no Make-Up und einem Paar 3$-Flip-Flops klingen nicht nur leicht, sondern fühlen sich auch so an!!

Am Schluss war ich so verliebt in dieses freie, leichte, junge, unbeschwerte Leben, dass mich weder Instagram noch Nachrichten noch die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan interessiert haben. 😀

In dir hat sich sich so viel verändert …

… aber Zuhause ist alles gleich.

Das war so ziemlich die ernüchterndste Erkenntnis. 

Denn während ich am liebsten den ganzen Tag in Erinnerungen schwelge und zum hundertsten Mal über diese eine, für mich weltbewegende Situation, sprechen würde, dreht sich Zuhause alles um Haushalt, Arbeit und den ganz gewohnten Beziehungsalltag. 

Ich fühle mich wie in einem luftleeren Raum voller Verlorenheit und gleichzeitig vorfreudigem Enthusiasmus, während meine Freunde sich neue Balkonmöbel anschaffen.

Nicht falsch verstehen, wenn ich hier wieder richtig angekommen bin, werde ich wahrscheinlich auch Prospekte durchstöbern nach schönen Zimmerpflanzen, aber so weit bin ich jetzt einfach noch nicht. 😀

Wenn ich Bilder von mir vor der Reise sehe und Bilder danach, dann sehe ich einen anderen Menschen. Und egal, wie unglaublich klischeemäßig und ausgeschluscht es sich anhört, aber ich bin nicht mehr dieselbe Person, die ich vorher war.

Das Reisen macht etwas mit dir! Es verändert dich. Ob du es willst oder nicht. Erfahrungen und Begegnungen prägen dich – dein Horizont erweitert sich, ohne dass du es sofort merkst.

Zurück im gewohnten Umfeld wird dir der Unterschied erst bewusst. Am liebsten würdest du sofort wieder die Koffer packen, aber das löst das Problem nicht, denn ein Zuhause braucht der Mensch.

Ich bewältige diese Phase zwischen Ankommen und noch Wegsein wie ein Teenager 😀 : Erstelle Fotoalben, höre Urlaubsmusik, rieche an meinem Urlaubsparfum und träume mich noch so lange weg, bis die Erinnerungen eh von selbst verblassen.

Ganz langsam versuche ich mich wieder hier zurechtzufinden. Mit viel ausmisten, weniger Dingen, weniger Ablenkung, mehr Direktheit, mehr Offenheit für Menschen und Situationen und noch mehr Zeit mit meinen Herzensmenschen. Denn die habe ich ja wirklich schwer vermisst auf meiner Reise. 

Kennst du auch dieses Verlorenheitsgefühl nach einer langen Reise und wie gehst du damit um? Christina von Glückaufwanderlust hat zum Thema “Kulturschock im eigenen Land” übrigens einen tollen Artikel geschrieben und bietet einige Tipps, wie man die “Wiedereingliederung” am besten meistert!

Hole dir jetzt mein kostenloses E-Book – SCHNELL die RICHTIGEN Entscheidungen treffen.

Registrieren Sie sich jetzt, um eine Email zu erhalten, wenn ich neue Inhalte publiziere.

I agree to have my personal information transfered to MailChimp ( more information )

Ich werde niemals Ihre Email Adresse weitergeben, handeln oder verkaufen. Sie können die Benachrichtigung jederzeit abbestellen.

8 Kommentare

  1. Hey Ronya,
    Hmmmmmm……was soll man darauf schreiben?
    Wenn ich lese, was du schreibst, fühle ich mich so als wäre ich 12 Wochen weg gewesen. 😁
    Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich jeden Tag gefreut habe, einen Post von dir zu sehen oder zu lesen.

    Atemberaubende Bilder haben mich quasi nach Bali versetzt.
    Ich kann verstehen, dass es für dich hier wieder eine Umstellung ist. Das hektische, durchstrukturierte, langweilige, stressige Leben in Deutschland.
    Wie gerne würde ich 12 Wochen einfach so in den Tag hinein leben. Aber das was du erlebt hast, das was du dich getraut hast, würde ich mich niemals trauen.
    Ich beneide dich für deinen Mut.
    Und wenn ich lese, wie es für Dich hier ist, wünsche ich mir für dich, dass du das selbe wieder machst.
    Du schreibst: jeder braucht ein zuhause. Deutschland wird immer dein zuhause sein. Das nimmt dir keiner.
    Aber was du auf deiner Reise erlebt hast, solltest du wieder erleben. Und warum? Weil es dich glücklich macht! Und das ist das wichtigste

    Hoffe, wir sehen uns bald

    Liebste Grüsse

    Simme

    Antworten

    • Liebe Simme,

      einfach wow, deine Worte bedeuten mir sehr sehr viel!
      Schöner hätte es niemand ausdrücken können, danke dafür! <3
      Und du kannst dich das auch alles trauen, wenn du es wirklich willst! Ich bin nämlich ein Riesengroßer-Schisser und hab mich letztes Jahr auch gaaanz zaghaft an das (Alleine-)Backpacken rangewagt.
      Und auch dieses Jahr hatte ich wieder so unglaubliche Angst vor Abflug, dass ich beinahe schon alles abgeblasen habe.
      Also wenn ich es kann, dann wirklich jeder 😀
      Ich hoffe auch wir sehen uns bald!

      Liebste Grüße
      Ronja

      Antworten

  2. Liebe Ronja,

    ach bei diesem schönen Text erkenne ich mich sehr wieder. Am schönsten fand ich den Satz mit den Balkonpflanzen. Herrlich. So ging es mir letztes Jahr auch nach meinem 3-monatigen Sabbatical 2017. Alles fühlte sich so leer und bedeutungslos an. An den ersten Tagen zurück im Job fragte ich mich “Was mache ich hier eigentlich?” Es war grässlich. Und nun ich habe dann ziemlich schnell den Entschluss gefasst, nach 6 Jahren meinen Job zu kündigen. Das habe ich im März auch getan und gehe ab August auf Weltreise.

    Ich weiß, es ist wie du sagst. Es löst keine Probleme. Aber ich weiß für mich, dass ich aktuell mehr reisen möchte, mehr sehen, mehr erleben. Ein “normales” Leben kann ich immernoch führen. Ich habe eher Angst davor, es irgendwann mit 50 zu bereuen, es nicht gemacht zu haben.

    Viel Glück bei deiner Zurückommen-Phase
    Tine

    Antworten

    • Liebe Tine,

      wie wunderschön, dass du diesen Entschluss gefasst hast, den du ganz sicher nicht bereuen wirst!
      Und wie herrlich, dass dir das mit den Balkonpflanzen bekannt vorkommt :D. Es ist so schwer, sich wieder für Alltagsdinge zu interessieren, wenn man so lange draußen in der Welt war! Ich wünsche dir eine einen tollen restlichen Sommer in Deutschland und dann die schönsten Abenteuer, die das Leben zu bieten hat!

      Viele Grüße
      Ronja

      Antworten

  3. Liebe Ronja,

    selten hat mich ein Bericht so abgeholt wie dieser von dir.
    Da hat wirklich jede Beschreibung jedes einzelnen Gefühls gestimmt, alles was du beschreibst und erzählst von den Erfahrungen, die man macht sobald man nach der Reise wieder zuhause ist – ich kenne es nur allzu gut und kann bestätigen, dass es sich für mich nach jeder Reise ganz genauso angefühlt hat wie für dich. Ich habe mich mittlerweile zumindest mit dem Gefühl angefreundet, will ich mal sagen. Es trifft mich nicht mehr mit voller Wucht wenn ich von meinen Reisen wiederkehre. Ich bin darauf vorbereitet und kann damit umgehen. Aber das tut der Tatsache keinen Abbruch, dass ich jedes einzelne Mal wieder zum selben Entschluss komme: Ich werde nicht mehr lange in Deutschland sein. Die nächste Reise ist nur eine Frage der Zeit und je mehr Reisen ich unternehme, desto kürzer werden irgendwie die Perioden, die ich “zuhause” in Deutschland verbringe. Nun steht noch eine letzte “Kurzzeitreise” an – einen Monat Thailand im Dezember/Januar – bevor es für mich Ende 2019 auf Weltreise gehen soll und diesmal ENDLICH auf unbstimmte Zeit. Ich kann es kaum erwarten.
    Und bis dahin lese ich mit absoluter Freude Artikel wie deinen, denn sie erinnern mich an das süße und auch schmerzliche Fernweh, was mir immer wieder in Erinnerung ruft, dass das alles kein Traum ist, sondern Wirklichkeit – egal was andere sagen!

    Alles alles Liebe
    Romy

    Antworten

    • Liebe Romy,

      ich danke dir so sehr für deine lieben Worte! Jeder, der einmal mit dem Reisevirus infiziert worden ist, kann deinen Entschluss sicher gut nachvollziehen. Einen Monat auf Reisen ist so viel mehr Zeit als einen Monat Zuhause – kommt es dir nicht auch so vor?! Für deine Thailandreise und natürlich deine Weltreise wünsche ich dir alles erdenklich Gute. Du wirst die tollsten Erfahrungen sammeln, Menschen kennenlernen und Erinnerungen schaffen.
      Alles Liebe für dich!
      Ronja

      Antworten

  4. Ahhhh du bist ja süß Ronja, dass du meinen Artikel verlinkt hast! 🙂 Danke dir von Herzen! Ich hoffe, die Eingewöhnung dauert nicht mehr lange an oder du hast sie sogar schon überstanden! Ganz liebe Grüße aus Guatemala! Christina

    Antworten

    • Liebe Christina,

      gerne – er ist aber auch wirklich sehr toll! Mittlerweile habe ich sie zum Glück überstanden.
      Ganz viele Grüße aus dem auch sehr sonnigen München

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.