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Sich Zuhause fühlen – Was ich aus acht Umzügen gelernt habe

Zuhause – „Heim, Wohnung, in der jemand zu Hause ist und sich wohl fühlt.” So steht’s im Lexikon und ich frage mich, ob dieser Ort nicht theoretisch überall sein kann?

Der Ort, an dem ich gerade diesen Blogbeitrag schreibe, ist zwar der, an dem ich momentan schlafe und wohne – nach Zuhause fühlt er sich aber nicht mehr an.

Schließlich ziehe ich in zwei Wochen um. Mal wieder. Zum achten Mal in neun Jahren.

Über Menschen, die sagen „Ich hasse Umzüge“, kann ich nur müde lächeln. Sich Zuhause fühlen, also so richtig – das Gefühl kenne ich eigentlich gar nicht mehr.

Sich Zuhause fühlen vs. Vagabundenleben

Vor neun Jahren bin ich aus der Kleinstadt nach München gezogen. Voller Erwartungen, Träume und dem Gefühl, dass mir alle Türen offen stehen, wenn ich nur endlich die Kleinstadt hinter mir lasse. 

Manches erfüllte sich, anderes nicht. Im Laufe der Jahre versuchte ich mich in unzähligen Jobs und Praktika aus, änderte meinen Studiengang, machte mich selbstständig, ging Beziehungen ein – kurzum: lebte ein ganz normales, aufregendes Mittzwanziger-Leben.

Und so wechselte ich Wohnungen, Städte, ja kurzzeitig sogar Länder, immer auf der Suche nach einem Ort, wo ich endlich ankommen durfte, wo ich mich Zuhause fühlen konnte. Ich versuchte mich im “Digitalen-Nomadenleben“, nur um zu merken, wie sehr ich mich nach einem Zuhause in Deutschland sehnte.

Zuhause sein

Sich Zuhause fühlen aufgrund des Bücherregals

Ich packte Kisten aus und wieder ein, kaufte Möbel auf ebay-Kleinanzeigen und verkaufte sie wieder, sah die Jahreszeiten aus verschiedensten Fenstern. Mal aus dem Erdgeschoss im anliegenden Garten, mal aus dem vierten Stock über der Stadt, mal auf der Hauswand gegenüber, die keinen Platz ließ, um den Himmel zu sehen. 

Die Möbel veränderten sich häufig, die Bücher an der Wand blieben dieselben. Sie schienen die einzige Konstante in meinem Leben zu sein und brachten mir das Gefühl des Sich-Zuhause-Fühlens schneller als irgendetwas anderes.

Mal dachte ich, hier bleibe ich lange, ein anderes Mal wusste ich insgeheim eigentlich schon, dass es sich kaum lohnen würde, meine Postadresse umzumelden. 

Meine Sehnsucht nach etwas Dauerhaftem hielt sich die Waage mit meinem Bedürfnis flexibel zu bleiben. Nicht so viel anzuhäufen, um im Notfall schnell wieder gehen zu können.

Sechs Dinge, die ich aus meinen Umzügen gelernt habe

1. Weniger ist mehr!

Du brauchst keine zwei Glätteeisen und auch keinen Toaster oder Eierkocher, wenn du ihn nie benutzt. Du brauchst die alten Klamotten nicht, in die du irgendwann „wieder reinpassen“ willst und erst recht nicht die Bettwäsche, die du nie hernimmst. Oder die Schuhe, bei denen der Absatz abgebrochen ist. Du hast eine Yoga-Matte, obwohl du kein Yoga machst? Weg damit! Beim Umziehen werden all solche Dinge nur zur Last und auch sonst nehmen sie nur unnötig Platz weg.

2. Was ist dir wirklich wichtig?

Eine schicke Wohnung ist nett, aber auch eine Belastung. Ich bin ein freiheitsliebender Mensch. Das heißt, ich mache lieber öfter Urlaub und arbeite weniger, als dass ich mir teure Sachen kaufe. Das gilt auch für meine Wohnung. Ich brauche keine 70 Quadratmeter für mich allein, wenn ich mich abends doch meistens sofort ins Bett setze. Dort lese, schreibe, TV schaue und oft sogar esse (shame on me) … Je mehr ich arbeiten muss, um mir eine schicke Wohnung leisten zu können, desto weniger kann ich sie zeitlich genießen … Ergibt für mich keinen Sinn. Sich Zuhause fühlen kann man sich auch auf kleinem Raum, wenn man ihn gemütlich einrichtet.

3. An Dingen zu hängen ist sinnlos

Oh, wie sehr habe ich schon mal eine Couch geliebt! So sehr, dass ich einfach nicht ausziehen wollte. Lieber habe ich in Kauf genommen, unglücklich zu sein, weil ich doch so sehr an dieser Wohnung und ihren Gegenständen hing. Ich wusste damals nicht: Nichts ist für immer! Und manchmal muss man sich trennen – auch von Dingen, die man liebt. Eine schöne Couch kann man nämlich nicht einfach mit nach Bali nehmen. Sie sollte einen aber auch nicht davon abhalten zu gehen. Ich versuche seitdem nicht mehr emotional an Dingen zu hängen. Es ist ja schon anstrengend genug, an Menschen zu hängen 😉

Zuhause fühlen

4. Sich Zuhause fühlen, kann man auch mit gebrauchten Möbeln

ebay-Kleinanzeigen lässt dich wirklich VIEL Geld sparen. Dort findest du die bestausgestattesten Pax-Schränke zum Bruchteil des Neupreises. Die Küche kostet nicht mehr 3000, sondern nur noch 500 Euro … In meiner Wohnung ist bis auf mein Bett so gut wie alles gebraucht gekauft. Manchmal fahre ich zu Ikea, suche mir die Möbel aus, die ich haben will und schaue dann, wo es sie günstig gibt. Das Beste: Ich kaufe sie dann nicht nur zum halben Preis, sondern sogar aufgebaut. Von dem gesparten Geld gehe ich lieber reisen.

5. Verlass dich nicht zu sehr auf andere

„Liebling, das mit uns hält für immer“, ein Satz der schön klingt, auf den man sich jedoch nicht ausschließlich verlassen sollte. Egal wie viel du hergibst, behalte für den Notfall immer die Basics im Speicher (Geschirr, Handtücher, Bettwäsche …) Irgendwann bei Salz- und Pfefferstreuer neu anzufangen, nervt nämlich – ich spreche aus Erfahrung.

6. In jedem Anfang liegt ein Zauber inne

Trotz der vielen Umzieherei, freue ich mich wieder auf die neue Wohnung. Innerhalb eines Jahres kann sich so viel in einem Menschen verändern, das sich die Lebensumstände einfach daran anpassen müssen. Nach einer Woche im neuen Heim ist der Umzugsstress meist eh schon wieder verflogen und es beginnt ein neues Kapitel, das sicher spannend wird.

Sich Zuhause fühlen – wie wichtig ist das unserer Generation?

Sehe ich mich in meinem Freundeskreis um, gibt es zweierlei Arten von Menschen: 

  1. Die Sesshaften, die bereits zehn Jahre in denselben vier Wänden leben. Manche haben sogar schon ihre eigenen gekauft und bezahlen fleißig Kredite ab. 
  1. Die „Getriebenen“, die auf der Suche nach sich selbst, Ausbildungen, Studiengänge, Partner und Städte wechseln, wie die Sesshaften lediglich ihre Zahnbürstenaufsätze. 

Ist dieses ganze Umherziehen also ein weiteres Phänomen der Generation Y, das nur einen Teil betrifft? Diejenigen, die noch dabei sind, herauszufinden, was sie wollen?

„Generation Umzug“ als Label gleichrangig neben „Generation Internet“ und „Generation Praktikum“?

Falls ja, wo fühlt sich so eine Generation dann noch Zuhause? Da wo ihre Sachen sind? Dort wo ihre Liebsten sind? Wo das Meer, die Berge oder der Ort ist, an dem sie sich frei und lebendig fühlen?

Wie ist das bei dir? Fühlst du dich immer da Zuhause, wo du gerade Miete zahlst? Oder was braucht es wirklich, damit du dich Zuhause fühlst? Wo und wie willst du leben? Lieber alleine, in WG’s, in der Stadt, auf dem Land …? Ich freue mich, wenn du deine Gedanken zum Thema “Zuhause fühlen” teilst.

Deine Ronja

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6 Kommentare

  1. Liebe Ronja,
    wieder ein sehr schöner Artikel! Ich bin gerade dabei, mich von meinen 4 Wänden zu trennen, denn im Februar geht es vorerst für 12 Monate auf Reisen. Daher miste ich gerade kräftig aus, verkaufe, verschenke und trenne mich. Und ich muss sagen: Es fühlt sich sehr sehr gut an! Für mich ist Zuhause tatsächlich nicht die Wohnung mit nem großen Fernseher oder nem tollen Sofa (obwohl ich meins schon mag!), sondern tatsächlich ein Gefühl. Und gerade sagt das Gefühl, dass ich einen Tapetenwechesel brauche!

    Liebe Grüße
    Magdalena

    Antworten

    • Liebe Magdalena,

      oh, wie schön. 12 Monate, die du sicher nie nie nie vergessen wirst. Dafür trennt man sich doch gerne von Sachen. Umso schöner wird es vielleicht auch wieder sein nach einem Jahr nach Hause zu kommen. Doch jetzt ist sicher erst mal Vorfreude angesagt. Ich wünsche dir eine aufregende und unvergessliche Zeit. Bis zum Februar ists ja noch ein bisschen hin, so dass du die Vorfreude noch richtig genießen kannst.

      Liebe Grüße
      Ronja

      Antworten

  2. Hi Ronja! Sau cooler Artikel. So wie ich das herauslese ist dir deine aktuelle Wohnung zu groß für dich allein und lohnt sich das dann wahrscheinlich preislich auch nicht. Das verstehe ich. Und ich feiere dein Minimalismus-Mindset. Ich habe auch so viele so viele Sachen hinausgeworfen und es fühlte sich so befreiend an. Kurz zu mir: Ich wohne in einer 3er WG in einem schnuckeligen 10qm zimmer in der Maxvorstadt. Bei mir ändert sich auch gerade einiges, was meine Vision von meinem Leben angeht (von Technomusik und Party hin zu Alkoholsüchtigen von ihrer sucht befreien). Und in dieser Phase hatte ich auch das Gefühl, dass ich ausziehen muss, dass ich mich nicht mehr wohl fühle etc. Ich erkannte aber, dass das alles nur an mir lag. Als ich aufhörte zu Saufen und zu feiern war meine Identität weg und ich fühlte mich lost, wusste nicht wie ich mit anderen Umgehen sollte und gab meinen Mitbewohnern schuld daran, dass ich mich zuhause nicht mehr wohl fühlte. Ich hatte einfach nur Angst irgendwie komisch Angeschaut zu werden, und dass jemand denkt mit mir sei etwas nicht in Ordnung. Mittlerweile konnte ich dieses Problem aber lösen, indem ich mich meinen Ängsten stelle und so mehr selbstvertrauen aufbaue und meinen Selbstwert weiter erhöhen kann. Zusätzlich habe ich mein Zimmer an mein neues Vorhaben angepasst (1 Fettes regal raus, Musikkram verkauft, Whiteboard an die Wand :)) und ich liebe es. Anfangs war das alles etwas komisch aber mittlerweile fühle ich mich wieder richtig wohl zu hause, weil ich mich auch viel wohler in meiner eigenen Haut fühle. War gerade eben auch fast 2 Wochen komplett allein auf Malta im Urlaub um mal wieder die Weichen neu auszurichten und meinen Fokus auf das zu richten, was ich wirklich will und mich mit Energie und Motivation versorgt. kann ich wirklich nur empfehlen. Wollte sogar schon eher heim, weil ich wieder topmotiviert bin und mich wieder voll und ganz meiner Arbeit widmen wollte als immer nur am Strand zu liegen (was schon auch schön war haha).
    Deswegen stellt sich mir heute auch die Frage: Muss es wirklich immer ein kompletter Tapetenwechsel sein und ein komplett neuer ort oder reicht es nicht manchmal aus sich seine Umgebung nach seinen Bedürfnissen entsprechend einzurichten? 😉

    Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen
    LG

    Michael

    Antworten

    • Hi Michael,

      wow, danke für deinen ausführlichen Kommentar. Dein innerer Wandel klingt toll. Du hast natürlich total recht – oft, wenn wir uns verändern, meinen wir auch, unsere Umgebung verändern zu müssen. Dabei reicht es oftmals schon, wie du sagt, unsere Umgebung ein wenig anzupassen. Meine Umzüge waren aber nie aus dem Grund, dass ich mich unwohl gefühlt habe, sondern sie waren tatsächlich oft mit Trennungen verbunden oder weil ich aus der Wohnung rausmusste. Dieses Mal liegt’s einfach nur am Preis :). Da du auch in München wohnst, weißt du sicher wovon ich spreche 😉
      Malta klingt cool und steht auch noch auf meiner Reiseliste.

      Liebe Grüße
      Ronja

      Antworten

  3. Tolle Auseinandersetzung mit dem Thema, Ronja! 👍 “Die Möbel veränderten sich häufig, die Bücher an der Wand blieben dieselben. Sie schienen die einzige Konstante in meinem Leben zu sein und brachten mir das Gefühl des Sich-Zuhause-Fühlens schneller als irgendetwas anderes.” Genau ging es mir auch so. Aber alles hat sich geändert, sobald die Verantwortung einer anderen Person zu dir kommt! Es ist eine besonders kleine Kreatur, die alles durcheinander bringt und dich glücklicherweise Dinge wissen lässt, die du noch nie zuvor gesehen hast!    😅 👍 Und plötzlich weiß du wo deine zu Hause ist. Der Ort, wo du sein willst nachdem du gearbeitet hast, wohin du kehren willst nachdem du Sport gemacht hast. Der Ort wo dein Kind warte auf dich und er freut sich wenn du nach Hause zurück kommst! 🏡 🤗 Das ist ein Teil des Lebens, die du noch kennenlernen wirst, wo du Teil deine Freiheit aufhört um eine Familie 👪 zu gründen, deine eigene! ☺ 👍

    LG Raffaele
    P. S.: Ich ♥ wie du 🖋!!!😍

    Antworten

    • Lieber Raffaele,

      oh, wie schön du das beschreibst <3
      Darauf freue ich mich auch schon, wenn ich eines Tages das Glück habe, dass meine eigene Familie Zuhause auf mich wartet 🙂 Hoffe, dass ich das irgendwann auch erleben darf. Und tausend Dank für dein wunderschönes Kompliment am Schluss, das freut mich wirklich unheimlich!

      Liebe Grüße
      Ronja

      Antworten

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