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Warum der Satz „Geld ist nicht so wichtig“ unserer ganzen Generation schadet

Geld is nicht alles

„Geld ist nicht wichtig“, erklärte mir letztens ein Arbeitskollege im selben Atemzug damit, warum er unseren unterbezahlten freien Journalisten-Tagessatz okay findet. „Ich liebe das Schreiben und will es auch mit 70 noch machen“, verriet er seine Altersvorsorge-Strategie. Denselben Satz hörte ich die Woche zuvor auf der DNX sogar zweimal. Einmal von einem Ökotypen, der mit „Geld ist nicht alles“ seinen Plan rechtfertigte, kolumbianische Handtaschen in Deutschland zu verkaufen. Ein weiteres Mal von einem 33-Jährigen, der als Freelancer Webseiten programmiert, auf meine Frage, warum er nicht versucht, größere Unternehmen zu akquirieren und mehr Geld zu verlangen. „Nee, ich habe keine Lust jemanden zu siezen“, und natürlich „Geld ist mir nicht so wichtig, mein Service kostet immer gleich viel “.

Der gleiche Satz von drei jungen Männern, etwas über 30 Jahre alt – erschreckend und verblüffend zugleich. 

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Ich werde niemals Ihre Email Adresse weitergeben, handeln oder verkaufen. Sie können die Benachrichtigung jederzeit abbestellen.

„Geld ist nicht wichtig“ – Was steckt hinter einem solchen Denken? 

Ich glaube, vor allem zwei Dinge:

Erstens: Ihnen ist es irgendwie unangenehm, nicht so gut zu verdienen, aber nichts weiter dagegen zu unternehmen, damit sich dieser Zustand ändert. Sie haben entweder Angst vor dem Scheitern, wissen nicht, wie sie ihre unterbezahlte Lage ändern könnten oder sind schlichtweg zu bequem, sich weiterzubilden.

Das ist in Ordnung – aber es hat nichts damit zu tun, dass Geld „nicht wichtig” ist. In so einem Fall ist ihnen eher die Arbeit, die sie tun, nicht wichtig, sondern nur Mittel zum Zweck, um über die Runden zu kommen. Auch okay!

Zweitens: Sie haben von klein auf gelernt, dass Geld etwas Schlechtes ist. „Geld verdirbt den Charakter“, hat schließlich schon Oma gesagt. „Nur gierige Menschen streben nach mehr Geld“, „Über Geld spricht man nicht!“, und der Klassiker: „Geld macht nicht glücklich“. 

Alle drei Männer waren irgendwie stolz darauf, Geld „scheiße“ zu finden. Sich nicht von Konsum und Kapitalismus „anstecken“ zu lassen … 

So weit, so gut. 

Nur: Wer kein Geld hat, für den ist das Thema erst recht wichtig! 

Heute vor einem Jahr – Pleite wie nie

Das musste ich letztes Jahr am eigenen Leib erfahren, als ich nach einer unverhofften Trennung und ungeplanten längeren Reise nach München zurückkam und Miete, Kaution und neue Möbel zahlen musste. Ich checkte meinen Kontostand und hatte keine Ahnung, wie ich die nächsten Monate über die Runden kommen sollte. Meine Kreditkarte war bis auf Anschlag überzogen und ich werde nie vergessen, wie ich in der Seifenabteilung einer Drogerie stand und die untersten Regale nach Nullen vor dem Komma absuchte. 

Sich in der Drogerie zu überlegen, welche Seife man sich leisten kann, ist definitiv beängstigend! 

Spätestens ab diesem Zeitpunkt, wusste ich glasklar: Geld ist wichtig! Besonders dann, wenn man es nicht hat. 

Und heute ein Jahr später, nach unzähligen Arbeitsstunden, langen Nächten, Monaten voller Weiterbildungen und Spezialisierungen, in denen ich alles dafür getan habe, NIE wieder in so eine Lage zu kommen – weiß ich umso deutlicher, wie wichtig es ist, angemessen bezahlt zu werden!

Heute, wo ich den allerersten Monat fünfstellig verdient habe (extrem stolzes Highfive von mir an mich selbst), weiß ich genau, wie vor einem Jahr am Seifenregal: Geld ist verdammt wichtig!

Geld ist nicht alles

Geld verdienen sollte Spaß machen (unabhängig davon, ob die Arbeit Spaß macht)

Es macht mir Spaß, Geld zu verdienen – es ist wie ein Spiel für mich. Ich will mir Dinge leisten können, ohne nach Sonderangeboten suchen zu müssen. Es tut gut, meine Miete zahlen zu können, ohne vorher zu überlegen, wovon. Es ist beruhigend zu wissen, dass egal was passiert – ob Trennungen, Kundenverluste oder sonstige Ausfälle – ich einen Puffer habe! 

Ich liebe es, meine Freunde einzuladen! Nicht aufs Geld schauen zu müssen, großzügig sein zu können. Mir Erlebnisse und Auszeiten gönnen zu können – sei es eine Massage, irgendwohin fahren oder einfach nur ein paar freie Tage. 

Wer jetzt sagt, all das geht auch mit wenig Geld, sollte sich fragen, ob das wirklich stimmt. Denn gerade wer backpacking macht, weiß wie übertrieben knauserig die „weltoffenen“ Traveller zum (größten) Teil sind. Jeder Cent wird da mit den Locals verhandelt, hauptsache billig lautet das einzige Kriterium jeder Unterkunft und zum Essen bestellen manche nichts zu trinken, nur um noch ein paar Moneten einzusparen. 

Albtraum – geizige Männer!

Wer als Frau mit einem Mann ausgeht, der „Geld ist mir nicht wichtig“ als Lebensmotto gewählt hat, kann ihre Drinks auf jeden Fall selbst bezahlen. Falls sie doch eingeladen wird, erwartet so ein Mann einen Dankbarkeitstanz, denn für ihn ist Geld eben (anders als er zugibt), doch eine GROßE Sache! 

Anstrengend! (Sorry an dieser Stelle an alle Hyper-Feministinnen, die darauf bestehen, sowieso selbst zu zahlen.)

Doch nicht nur im Bekanntenkreis fällt mir auf, dass immer mehr Leuten „Geld nicht wichtig“ ist, auch die Medien vermitteln dieses Bild über unsere Generation Y

Denn wir Millenials wollen scheinbar keinen Firmenwagen mehr, ein großes Gehalt interessiert uns nicht und auch kein Status dieser Welt könnte uns das Gefühl geben, nach welchem wir scheinbar unsere Arbeit auswählen: Sinnhaftigkeit!

Geld ist nicht alles – Mythos sinnhafte Arbeit

Ja, es ist schön und wichtig, eine Arbeit zu machen, die uns irgendwie erfüllt und nicht im kompletten Gegensatz zu unseren Werten steht. Aber was auch wichtig ist, ist unsere Freizeit.

Nicht jeder findet eine Work-Life-Balance bescheuert, „weil ja eh beides verschmelzen sollte“, manche würden in ihrer Freizeit gerne mal eine Fernreise machen oder eine Familie mitsamt Häuschen auf dem Lande gründen. 

Träume, die für unsere Elterngeneration ganz normal erschienen, sind heute schon fast undenkbar. 

Während es früher für jeden Otto-Normalverbraucher möglich war, sich etwas aufzubauen, kratzt heute ein Großteil der Akademiker am Existenzminimum.

Und genau das ist nicht okay! 

Warum sollte unserer Generation Geld nicht wichtig sein?

  • Warum soll unsere Generation so angeschmiert sein, zwar immer noch mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, damit aber felsenfest in die Altersarmut zu rutschen?
  • Weshalb soll unsere Generation keinen Feierabend mehr kennen, weil wir immer erreichbar sind, aber in Städten wohnen, in denen die Miete die Hälfte unseres Monatslohns frisst?
  • Wie oft sind wir neidisch auf Menschen mit „alten“ Mietverträgen oder „alten“ Arbeitsverträgen, während wir für 20 Euro pro Quadratmeter hausen und über Leiharbeitsfirmen angestellt sind? Kein Witz: Bei einem großen Fernsehsender wird niemand mehr eingestellt, solche Jobs bekommt man nur noch über Unterfirmen, die einen an den Sender „vermieten“ – Mindestlohn trotz Masterabschluss – völlig normal.
  • Warum soll unsere Generation den Traum vom Eigenheim, von der Weltreise, von der Großfamilie oder sonstige kostspielige Wünsche aufgeben, nur weil sie die A-Karte des demografischen Wandels gezogen hat?

Geld ist nicht alles = Ausrede

Wir leben in Zeiten der Digitalisierung – wir können theoretisch mit wenig Aufwand viel Geld verdienen. Genau das sollten wir auch nutzen, anstatt eine Ausrede wie „Geld ist mir nicht wichtig“ zu nutzen, nur weil wir Angst haben erfolglos zu sein oder von vornherein zu bequem sind. 

Was ist dir wichtig?

Familie, Freunde, Gesundheit, gute Ernährung, schöne Erlebnisse, Freizeit?

Für all das ist Geld wichtig. 

Also lasst uns endlich aufhören, Geld zu verteufeln und es stattdessen als das sehen, was es ist: Ein wichtiger Part in unserer Gesellschaft, ein Mittel, das unser Leben in allen Bereichen erleichtert. Eine Sache, die einfach Spaß machen sollte!

Wie stehst du zum Thema Geld? Ist es etwas, über das du nicht gerne sprichst? Ich akzeptiere natürlich auch gegensätzliche Meinungen 😉

Unterschrift

4 Kommentare

  1. Ganz klar – Geld ist wichtig! Für das Jetzt und im Alter. Knapp 500,- € zahle ich zusätzlich noch für die eigene Altersvorsorge. Ich gehe gerne zur Arbeit, aber auch deswegen, weil der Verdienst gut ist.

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    • Ganz genau! Der Verdienst hängt stark damit zusammen, ob wir eine Arbeit mögen oder nicht! Danke dir <3

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  2. Danke, dass du es ausspricht. Komme mir mit meiner Arbeitsweise und der Vermeidung von unbezahlten Überstunden schon komisch vor, weil meine Generation Y Kollegen damit irgendwie gar kein Problem haben (ich es als Ü50 aber anders kenne…) ja, Geld verdienen macht Spaß und ist wichtig und Freizeit evenso!

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    • Oh je, die Feierabend-Rumsitzerei kenne ich noch gut von meinen Praktika. Wettsitzen, wer es am längsten aushält – schrecklich!!! Danke dir für deinen Kommentar 🙂

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