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7 Tipps, wie du auch als Schisser alleine reisen kannst

Alleinereisen

Von Frauen, die alleine reisen, hörte ich das erste Mal vor etwa zwei Jahren als ich auf die Blogs Planetbackpack und Pink Compass stieß und mir absolut fasziniert im Schnelldurchlauf alle Artikel zu dem Thema durchlaß.

Ganz alleine?

Buchen zu können wann und solange man Zeit hat, ohne auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen? Alles alleine zu organisieren, zu entscheiden und auszusuchen?

Klang traumhaft für mich.

Wäre da nur nicht meine Angst. Und die meiner Freunde. Und die meiner Mutter.

Damals wollte ich unbedingt am liebsten sofort alleine los. Ich hatte gerade eine Trennung hinter mir und wollte einfach nur weg. Frei sein, unabhängig sein, mutig sein.

Aber es war zu früh! Ich habe es mich einfach nicht getraut und im Nachhinein schmerzlich bereut, nicht doch während meiner Semesterferien gegangen zu sein.

Der Gedanke ließ mich nicht mehr los.

Nur dass ich bald einen neuen Freund hatte und dadurch nicht mehr ganz so unabhängig war. Er konnte allerdings nicht mit, da er einen Laden zu führen hatte, vor Ort.

Also wagte ich es nach meinem Masterabschluss doch endlich.

Den Sprung ins kalte Wasser.

Den Einstieg ins Flugzeug – alleine.

Vielleicht denkst du jetzt: Wow, wie mutig! Die kann sicher gut auf andere Menschen zugehen und kommt gut zurecht.

Überhaupt nicht!

Ich bin ein riesengroßer Schisser, eher introvertiert als extrovertiert und habe den schlechtesten Orientierungssinn, denn man sich überhaupt vorstellen kann (und darüberhinaus noch eine extreme Links-Rechts-Schwäche, so jetzt ist es raus).

Wenn ich es geschafft habe, nicht vor Panik wieder umzukehren, schaffst du das auch!

Hier die Dinge, die mir beim alleine reisen extrem geholfen haben.

1. Buche die ersten zwei Nächte

Buche sie auf alle Fälle!

Der erste sichere Hafen ist das A&O nach einer langen Flugreise. Mit einem gebuchten Zimmer fühlst du dich nicht total verloren, während du überrumpelt am Busbahnhof stehst, in der Hoffnung auf funktionierendes W-Lan.

Wenn die ersten zwei Nächte gebucht sind, hast du erstmal Zeit anzukommen, durchzuschnaufen und kannst notfalls auch sofort schlafen, wenn du da bist, ohne in Eile die Stadt anschauen zu müssen, weil du am nächsten Tag schon weiter muss.

Starte erstmal langsam und komme in Ruhe an.

Nimm dir auch einfach ein Taxi nach dem langen Flug, gönn es dir.

In den ganzen Low-Budget-Backpacking-Trott kommst du noch früh genug.

Am Anfang ist erst mal wichtig, dass du dich so wohl wie möglich fühlst, daher würde ich zu Beginn ein besseres Hotel oder Hostel nehmen. Sobald du richtig angekommen bist, kannst du entspannt auf Schnäppchensuche gehen, aber jetzt geht es erst Mal nur um dein Wohlbefinden allein in der Fremde.

2. Manifestation

Vor der Reise habe ich mir genau vorgestellt, welche Steps ich zu tun habe, vom Antritt bis zum Zeitpunkt, in dem ich im Ausland mein Hotelzimmer aufschließe und „angekommen“ bin.

Ich habe mir also genau ausgemalt, welche Schritte notwendig sind.

Die erste Bahn-Fahrt zum Flughafen, der erste 12 Stunden Flug nach Peking, die eine Stunde Zwischenstopp am Flughafen dort, der zweite Flug nach Thailand, die Taxifahrt von da ins Hotel.

Diese Steps habe ich mir alle aufgeschrieben!

Dazu habe ich mir geschrieben, wie ich mich fühlen werde.

Voller Vorfreude auf das Bevorstehende, ruhig und entspannt.

Sobald Panik bei mir aufkam, habe ich diesen Zettel durchgelesen und umso näher ich endlich dem „rettenden“ Hotelzimmer kam, umso gelassener wurde ich sowieso.

 Alleine verreisen

3. Die erste Panikattacke kam nachts

Wie ich oben schon beschrieben habe: Ich bin ein Schisser und eher introvertiert. Zweiteres ist der Grund, warum ich ein Hotelzimmer statt einem Hostel gebucht habe. Ersteres führte dazu, dass ich doch eine kleine Panikattacke bekam.

Und zwar nachts, als ich von einem lauten Poltern plötzlich geweckt wurde.

Als ich realisierte, dass ich ganz alleine in einem Hotelzimmer liege, 9000km von Zuhause entfernt und hier niemanden kenne.

Im Kopf spielte ich mir durch, wie ich mich am nächsten Morgen schnurstracks zum Flughafen aufmachte und den nächsten Flug nachhause buchte.

Gott sei Dank sah die Welt am nächsten Tag schon wieder ganz anders aus. Denn da fand ich es richtig geil, dass ich ganz alleine 9000km entfernt von Zuhause aufwachte.

Ich fühlte mich mutig und abenteuerlustig – einfach total lebendig!

4. Die ersten Tage beim Alleine reisen

Es ist vollkommen ok, die neue Stadt beziehungsweise das neue Land langsam zu erkunden.

Sich stückweise aus seiner sicheren Höhle namens Hotel herauszuwagen und Schritt für Schritt zu gehen.

Ich habe mir als erstes eine thailändische Simkarte gekauft, um – Achtung, wichtig! – Google Maps auf dem Handy zu haben. Vorher habe ich mir ausgesucht, welche Sehenswürdigkeiten ich besuchen möchte, die ich dann ganz einfach entweder zu Fuß oder mit dem Bus erreichen konnte.

Das Schöne am alleine reisen: Man kann solange rumbummeln wie man Lust hat, und wenn man müde ist, ganz einfach umdrehen, ohne einen Travelbuddy zu enttäuschen, der noch zehn weitere Sehenswürdigkeiten auf seiner Liste hat.

Du kannst schlafen, Sightseeing machen oder einfach nur netflixen wann und wo du willst.

5. Alleine reisen = alleine essen

Ja, es ist komisch alleine in ein Restaurant zu gehen. Man hat das Gefühl, die Kellner schauen einen traurig an und die andern Gäste werfen einem mitleidige Blicke zu. Das war für mich mitunter am Blödsten am alleine reisen. Allerdings fand ich es nicht ganz so schlimm, da ich zu Unizeiten auch manchmal alleine in die Mensa ging.

Lieber keine Unterhaltung als nervige!

Die Vorteile am alleine Essengehen: Du kannst das Restaurant auswählen und musst keine Kompromisse eingehen. Zweitens: Man kann endlich üben achtsam zu essen, wenn man keinen Gesprächspartner und keinen Fernseher vor dem Teller hat.

Zum Glück gibts aber natürlich noch das Smartphone, in das man vertieft blicken kann, während man auf seine Bestellung wartet, sodass man nicht ganz so viel Mitleid ernten muss.

Alleine reisen

6. Die Sache mit dem einsam sein

Es wäre gelogen zu sagen, dass man sich beim alleine reisen nicht manchmal einsam fühlt. Bei mir war das meistens, wenn ich wieder alleine an den nächsten Ort weitergereist bin, bei schönen Sonnenuntergängen oder atemberaubenden Aussichten.

Die will man einfach teilen!

Allerdings habe ich oft nachhause telefoniert, das war gut vor dem Schlafengehen, wenn es bei mir schon nachts war, war es daheim noch später Nachmittag.

Dank Whatsapp-Call, Facetime oder Skype ist es wirklich einfach geworden, Kontakt zu halten. Zuhause treffe ich mich auch nicht täglich mit Freunden, aber telefoniere häufig. Warum also nicht auch auf Reisen?!

Will man aber gezielt Leute kennenlernen, empfiehlt es sich entweder in Hostels zu übernachten, oder – für die nicht Hostelgeeigneten Menschen – Ausflüge und Aktivitäten zu machen, bei denen man leicht ins Gespräch kommt. Schnelle  Reisebekanntschaften entstehen beispielsweise beim:

  • Yoga
  • lokalen Ausflug mit einer kleinen Reisegruppe
  • Tauchkurs
  • Kochkurs
  • Coworking-Space

Die Menschen, die ich auf meiner Reise alleine kennengelernt habe, waren alle ganz wundervoll, teilweise von der Art her auch ganz anders als meine Freunde Zuhause. Ich bin so dankbar für die vielen offenen Gespräche, die neuen Sichtweisen aufs Leben und das Wissen, überall auf der Welt Freundschaften schließen zu können.

7. Der große Nachteil am alleine reisen

Der größte Nachteil am alleine reisen war für mich auf jeden Fall, dass es weitaus teurer ist. Einzelzimmer in Hostels und auch abgeranzte Hotels sind meistens viel kostspieliger als ein komfortables Hotelzimmer zu zweit. Auf Reisen mit Freunden kann man durch den geteilten Preis weitaus luxioriöser für weitaus weniger Geld übernachten.

Ein anderer kleiner Nachteil sind die Fotos. Klar kann man jemanden anquatschen, ein Foto von sich vor Panoramakulisse zu machen. Nur darf man halt nicht erwarten, dass dann auch die Füße mit drauf sind. Oder der Kopf. Oder die Kulisse …

Fazit alleine reisen

Damals war ich zwar absolut fasziniert vom alleine reisen, allerdings war es auch eine Art Notlösung für mich, da mein Freund nicht mitkonnte und meine Freundinnen alle mit ihren Partnern flogen. Heute würde ich jederzeit wieder alleine in den Flieger steigen, dennoch zwar nicht ganz ohne Angst, aber mit der Gewissheit und auch einem gewissen Stolz, dass ich sehr gut alleine zurecht komme.

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4 Kommentare

  1. Ich denke wir empfinden da alle ähnlich. Seit einer Woche bin ich auf meiner ersten Solotour und noch ist es für mich absolut super. Es werden sicher in den nächsten Monaten auch andere Momente kommen und dann ist es schön von Menschen wie dir zu lesen. Same same, but different.
    Eine Erfahrung, die ich jetzt schon nicht missen will;))
    Alles Liebe, Biene

    Antworten

    • Hi Sabine,

      danke für den “same same, but different” Reminder – der Spruch hat mich auf meiner Reise in Thailand wirklich begleitet. 🙂
      Ja im Nachhinein empfinde ich meine Soloreise als total schön, spannend und “mindblowing”. Das heißt wohl, dass meine einsamen Momente eindeutig in der Unterzahl waren. Ich wünsche dir ganz viel Freude und beeindruckende Momente auf deiner Reise! Wo bist du denn unterwegs?

      Alles Liebe
      Ronja

      Antworten

  2. Hallo Ronja,

    das ist ein prima Artikel, der sehr viel Mut macht. Wie du schreibst, nicht alles ist immer Sonnenschein wenn man alleine unterwegs ist und trotzdem ist es eine grandiose Erfahrung! Das kann ich bestätigen.

    Nur dass mit den Fotos – da hast du völlig Recht und schreibst es auch so lustig. Man kann wohl nicht erwarten, dass irgendwas drauf ist, wenn man jemand anderen fragt 😀

    Viele Dank für die inspirierenden Worte.

    Liebe Grüße
    Magdalena

    Antworten

    • Hi Magdalena,

      haha ja leider – das mit den Fotos ist echt ein Problem. Für den nächsten Trip wollte ich mir daher unbedingt eine Stativhalterung für Selbstauslöser zulegen. Das klappt vielleicht besser als jemanden zu fragen 🙂
      Viel Freude auf deinen weiteren Reisen und tausend Dank für deinen Beitrag!

      Alles Liebe
      Ronja

      Antworten

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