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Von Liebesdingen und Beziehungsweisen

Liebe Kummer

Diesen Montag habe ich keinen Artikel à la „Denke positiv, dann wirst du glücklich“-Tipps, gründlicher Recherche und einer handvoll Überschriften, die sorgsam aussortiert und passend gewählt wurden. Ich habe nur mein Herz und meine Finger auf den Tasten, die frei heraus schreiben, ohne groß nachzudenken. Ok zugegeben, das mit dem „à la“ habe ich zweimal umformuliert.

Der Grund, warum ich nicht zum schreiben kam, ist so alt und trivial, dass man beinahe schon die Augen verdrehen möchte, wenn man ihn nicht einmal selbst erlebt hat: Liebeskummer. Was für ein harmloses Wort. Kummer klingt nach Wehwehchen, klingt nach „wird schon wieder“, klingt nach Schnupfen. Es klingt nach Teenie-Zurückweisung und kitschigen Filmen und einer Million Pop-Songs. Kummer beschreibt nicht im Ansatz dieses Gefühl. Tortur, Schmerz, Leid, Verzweiflung, Folter, Sterben.

Die Engländer haben es da schon eher getroffen: Lovesickness. Sickness, die Krankheit, die Übelkeit, das Erbrechen. Und genauso fühlt sich Liebeskummer an. Nach Krebsgeschwür, nach trockenem Mund, nach Kotzen.

Nach Angeschossen-sein beim Aufwachen und nach Herzamputation beim Einschlafen.

Und zwischen diesen beiden Tageszeiten ist da nicht viel und gleichzeitig alles. Da passiert nur Daliegen und atmen und gleichzeitig findet da eine Analyse von sämtlichen Worten, Handlungen und Whatsapp-Nachrichten der gefühlten letzten zehn Jahre statt und eine Zukunftsprognose, deren Zeichen auf einsamen Tod umringt von zwölf Katzen steht.

Und obwohl man ja weiß, aus den Filmen, den Liedern von Freunden und meistens sogar aus eigener Erfahrung, dass die Zeit ja alle Wunden heilt und dieses Gefühl nur ein vorübergehender Zustand ist, hilft einem das nichts. Es hilft nicht (also nicht wirklich) mit jemandem darüber zu sprechen, es hilft nicht, rauszugehen und sich abzulenken und am allerwenigsten hilft es, sich alte Bilder anzusehen. Es hilft einfach gar nichts außer abwarten zwischen Schusswunde und Amputation.

Die letzen Monate habe ich mich viel mit Beziehungen beschäftigt und auf Spiri-Ebene erfahren, dass man sich immer den Partner raussucht, den man gerade „braucht“.

Der einem etwas zeigen soll an sich selbst, eine Art Spiegel vorhalten soll, an dem man sich weiterentwickeln kann.

Doch was verdammt soll es mir zeigen, wenn mein Partner nie Zeit für mich hat, wenn es ihm augenscheinlich nicht wichtig genug ist, wenn ich das Gefühl habe, ich komme an Stelle hundertirgendwas …

Mich selbst zu lieben? Mich selbst an Stelle 1 zu setzen. Zu wissen, dass das die einzige und wichtigste Prioritätenskala ist, auf der ich an Nummer eins zu stehen habe. Was soll es meiner Freundin zeigen, wenn ihr Freund sich im Streit so cholerisch verhält, dass sie ihn am liebsten sofort verlassen würde? Was soll es einem zeigen, wenn einen jemand schlecht behandelt, wenn einen jemand betrügt, wenn einen jemand verlässt?

Die Antwort ist und bleibt in allen Fällen die Gleiche: sich selbst zu lieben.

Oder vielleicht habe ich das mit der Spiri-Ebene und dem Spiegel doch noch nicht verstanden, aber wie gesagt, heute ist nichts mit Recherche, heute ist einfach frei raus.

Also schreibe ich nur von diesem beschissenen aller beschissensten Gefühle und davon, das abwarten wirklich hilft und, dass es eben doch immer weiter geht, wie die das in den Filmen sagen und in den Popsongs und, dass jedes Gefühl ob Glück oder Leid immer wieder vorbeigeht und, dass es gar kein Glück gäbe ohne Leid. Also all die Floskeln, die einem rein gar nichts helfen während des Angeschossen-seins und der Amputation. Aber sie müssen eben doch gesagt werden, weil sie ja stimmen und weil Liebe und Liebeskummer so alt und trivial sind, dass es nichts Neues mehr darüber zu sagen gibt. Und weil Liebe und Liebeskummer immer bleiben werden, um uns selbst noch besser kennenzulernen, um zu wissen, wir schaffen das, um zu lernen, uns selbst zu lieben.

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