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Vergleichst du noch oder lebst du schon? Vom Neid auf Social Media

Neid

Igitt!

Es hatte mich erwischt! Diese widerliche Krankheit, die ich an anderen stets verachtend verabscheut hatte.

Ein dunkler Januarnachmittag, ich sitze Zuhause am Schreibtisch und hatte die Wohnung schon seit drei Tagen nicht mehr verlassen. Vor mir liegt ein Berg voller Arbeit, mir fehlt der Durchblick, mit was ich beginnen soll, draußen hat es -20Grad und die klirrende Kälte dringt selbst durch den dicksten Pulli bis tief in die Knochen. Da traf es mich. Mitten ins Herz. Dieses erbärmliche Gefühl. Neid.

Es traf mich beim durchscrollen meiner Facebook-Pinnwand, urplötzlich aber mit voller Wucht. Denn diese Menschen – meine Facebookfreunde – besaßen allesamt Dinge, die mir so dringend fehlten! Das Leben der anderen spielte sich an weißen Sandstränden mit türkisblauem Wasser ab, in glücklichen Beziehungen voller öffentlicher Liebeserklärungen und Abenteuern, in gutgezahlten Jobs inklusive Selbstverwirklichung.

Es waren scheinbar alle Menschen fröhlicher, braun gebrannter und glücklicher als ich.

Mein Leben dagegen schien das komplette Gegenteil zu sein. Mir war kalt, ich musste Dinge zu Ende bringen, die mir keinen Spaß machten und abends ging ich allein ins Bett. Dazu quälte mich eine fiese Erkältung. Dem Vergleich der Facebook-Pinnwand konnte ich also nur verlieren.

Dann blickte ich auf meine eigene Facebook-Timeline. Strahlende Gesichter, Sonne, Strand, braune Haut. Da ist das Foto am Gardasee, auf dem ich mit meiner Freundin auf einem Speedboot liege und mir die Sonne auf den Bauch scheinen lasse. Darauf sieht man mir nicht an, dass ich zu dieser Zeit unter schlimmen Liebeskummer litt. Auf dem Foto vom Oktoberfest sieht man in meinem strahlendem Lächeln keine Spur davon, dass ich am gleichen Tag eine Absage zu einem mir wichtigen Jobangebot bekommen hatte.

Facebook ist nicht real! Facebook ist Betrug! Betrug an seinen „Freunden“! Und Selbstbetrug!

Auf der Jagd nach Likes und Anerkennung sabotieren wir uns selbst. Denn egal wie schön unser Instagram-Selfie mit den drei Filtern und dem Fotoshop-Bearbeitungsprogramm auch geworden ist – jemand anderes wird noch ein schöneres posten. Egal wie traumhaft unser Meerblick am Morgen ist – auf einem anderen Foto, ist der Sand noch weißer, das Meer noch blauer und das Hotel noch glamouröser.

Neid Social Media

Unser täglicher Neid führt zu Selbstzweifeln, weil wir denken, den anderen geht es besser als uns, weil wir meinen, selbst etwas falsch zu machen. Doch wir sollten uns nicht fertig machen lassen, nur weil andere ihre Minderwertigkeitsgefühle via Social Media kompensieren, indem sie zum hundertsten Mal ihren Mitmenschen #lovemylife mitteilen, damit sie es auch selbst endlich glauben können. Denn das Problem ist, dass wir bei dieser Form der narzisstischen Selbstdarstellung nicht sehen, wie es vor oder nach dem Knipsen des Sonnenschein-Selfies aussieht. Denen, die am meisten beeindrucken wollen, geht es vermutlich am schlechtesten, deren Selbstvertrauen ist am geringsten, nicht umsonst brauchen sie unbedingt die Bestätigung von Außen.

Der täglich Newsfeed wird zur Falle, wenn wir sehen, wie viel besser es den anderen geht.

Wir fühlen uns benachteiligt – von der Familie, vom Partner, vom Leben an sich. Wir fühlen uns minderwertig. Warum schafft der das und ich nicht? Warum ist bei ihm alles so leicht und ich muss immer kämpfen? Warum reist sie um die Welt und ich sitze meine Lebenszeit im Büro ab?

Wir machen Gott und die Welt verantwortlich für unser Schicksal, jammern und verlieren dabei aus den Augen, dass wir doch selbst das Steuer unseres Lebens in der Hand halten. Dabei ist uns meistens nur der Preis zu hoch, den wir zahlen müssen: etwa für die perfekte Bikinifigur, für den Sportwagen oder den Schritt ins Ausland. Motivation für Sport und Diäten – Fehlanzeige. 60-Stunden-Woche schuften – keine Lust. Alle Zelte abbrechen und den Schritt aus der Komfortzone ins Unsichere wagen – lieber doch nicht.

Neid ist immer ein Problem der falschen Relationssetzung!

Wir setzen uns ins Bezug zu anderen. Dies ist grundsätzlich nichts Schlechtes, schließlich entwickeln wir uns schneller weiter, wenn wir erfolgreiche Mitmenschen als Vorbilder nehmen und von ihnen lernen. Vergleicht sich allerdings die 50-Jährige Tante faltentechnisch mit der 25-jährigen Nichte, wird es selbstzerstörerisch.
Es gibt zwei Arten von Neid: Konstruktiver und Destruktiver. Konstruktiver Neid führt dazu, dass man das, was der andere besitzt, selbst gerne haben will und ins Handeln kommt, um das gewünschte Gut selbst zu erreichen. Destruktiver Neid hingegen ist missgünstig, man gönnt dem anderen den Besitz nicht und wünscht sich, er würde das, was er hat, verlieren oder es möge ihm anderer Schaden widerfahren.

Mein Leben lang habe ich mich für andere Menschen freuen können, mir gewünscht, dass es allen so gut wie nur möglich geht, denn jeder hat meiner Meinung nach unendliches Glück verdient.

Und plötzlich war da dieses fiese Monster, das mich innerlich vergiftete. Neid. Neid. Neid. Ich war neidisch auf diejenigen, die in ferne Länder aufbrachen aber genauso auf die, die gemütliche Couchselfies von sich posteten. Auf die, die ihren Schweinehund besiegten und zum Sport gingen, ebenso auf die, die sich Schokoladenkuchen garniert mit Bueno-Stangen gönnten. Auf die glücklichen Paare, die sich sichtlich liebten und viel unternahmen; auf die Singles, die frei waren wie der Wind. Diejenigen die Karriere machten und auf die, die ausstiegen.

Vor allem aber war ich eines – nicht im Reinen mit mir!

Denn Neid ist nur ein hässliches Resultat der eigenen Unzufriedenheit.

Der Unzufriedenheit, sich nicht zu trauen, seine Werte als auch Träume zu definieren und danach zu leben. Herauszufinden, was man wirklich will.

Und: Auch mal zufrieden zu sein, mit dem was man hat. Wertschätzt man nämlich sein eigenes Leben und ist dankbar für alles Schöne (ja, da ist viel Schönes in jedem Leben, auch wenn die Wolkendecke manchmal grau-schwarz und dick über einem hängt), kann man sich auch tatsächlich einfach nur ehrlich für andere freuen und mit sich selbst im Reinen bleiben. Und wenn man wirklich so unzufrieden ist, muss man eben selbst ins Handeln kommen. Ohne Selbstmitleid, ohne Wut auf die Welt und ohne Missgunst gegenüber Mitmenschen.

Denn was wir erreichen, fühlen, erleben und umsetzen können, liegt in unserer eigenen Hand.

Warst du auch schonmal so richtig hässlich neidisch, beim durchscrollen deines Facebook- oder Instagramfeeds?

Deine Ronja

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  12. Hallo,

    schöner Artikel, dem ich voll und ganz zustimme.

    Habe mich vor vier Jahren bei Facebook angemeldet, weil ich die Posts nur noch als Müll wahrgenommen habe und keine Lust mehr darauf hatte.

    Diesen Jahr ist Instagram, früher meine liebste Plattform, auf dem Prüfstand: die ganze Werbung nervt sowas von und das ganze Gepose (kann mich da nicht ausschließen, künstlerischer Anspruch hin oder her) sind ähnlich leere Kalorien wie RTL, Sat. 1 oder RTL2 schauen.

    Habe den Fernseher ebenfalls vor vier Jahren verbannt und wie gesagt, Insta-Verbannung ist nur noch ne Frage der Zeit.

    Kennst Du die Podcasts und/oder das Buch von Laura Malina Seiler? Sie sagt und schreibt, dass du eben das bist, was Du konsumierst, also hör auf damit, wenn es dich stresst, neidisch oder sonst was Negatives mit Dir macht.

    Es ist eigentlich so simpel, so easy, so einfach, aber wir müssen erst älter werden und in unserem Bewusstsein wachsen, um die Störfelder ab- und auszuschalten.

    In diesem Sinne, happy Reduzieren und Loslassen und einen guten Start ins Wochenende,
    Katharina

    Antworten

  13. Hallo,

    schöner Artikel, dem ich voll und ganz zustimme.

    Habe mich vor vier Jahren bei Facebook abgemeldet, weil ich die Posts nur noch als Müll wahrgenommen habe und keine Lust mehr darauf hatte.

    Diesen Jahr ist Instagram, früher meine liebste Plattform, auf dem Prüfstand: die ganze Werbung nervt sowas von und das ganze Gepose (kann mich da selbst nicht ausschließen, künstlerischer Anspruch hin oder her) sind ähnlich leere Kalorien wie RTL, Sat. 1 oder RTL2 schauen.

    Habe den Fernseher ebenfalls vor vier Jahren verbannt und wie gesagt, Insta-Verbannung ist nur noch eine Frage der Zeit.

    Kennst Du die Podcasts und/oder das Buch von Laura Malina Seiler? Sie sagt und schreibt, dass du eben das bist, was Du konsumierst, also hör auf damit, wenn es dich stresst, neidisch oder sonst was Negatives mit Dir macht.

    Es ist eigentlich so simpel, so easy, so einfach, aber wir müssen erst älter werden und in unserem Bewusstsein wachsen, um die Störfelder ab- und auszuschalten. Das hat auch viel mit unserem eigenen Selbstbewussstsein zu tun, auch mal aushalten zu können, “etwas zu verpassen.”

    In diesem Sinne, happy Reduzieren und Loslassen und einen guten Start ins Wochenende,
    Katharina

    Antworten

    • Liebe Katharina,

      vielen Dank für deine tolle Sichtweise und dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Wow, vier Jahre ohne Facebook und Fernseher, gratuliere!
      Ich kenne Lauras Podcast und stimme dem auf jeden Fall zu. Das ist auch der Grund warum ich schon seit zwei Jahren überhaupt keine Nachrichten mehr konsumiere 🙂 Instagram macht mir Spaß, seit ich aber nur noch ab 16Uhr reinschaue, sogar noch mehr, denn so vertrödle ich nicht mehr den ganzen Tag damit.

      Dir auch ein happy Reduzieren und eine tolle Woche!

      Viele Grüße
      Ronja

      Antworten

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