Artikel
7 Kommentare

Und was kommt jetzt? Der Übergang vom Studium zum Beruf

entschleunigen

November. Abends. Ich sitze in der Bibliothek und weiß, dass meine Zeit hier bald um ist. In zwei Monaten gebe ich sie ab. Meine Masterarbeit. Nach (zu) vielen Jahren des Studierens. Hier fühle ich mich sicher, hier fühle ich mich frei. Ich besuche die Vorlesungen, die mich interessieren, lerne und schreibe, so wie ich es mir einteile und habe Zeit für Dinge, die ich gerne mache. Aus mehreren Monaten Praktika-Erfahrungen weiß ich sehr genau, wie es sich anfühlt, unfrei zu sein. Gefangen in einem 9to5 Dasein, bzw. eher 8to5 oder 10to7 oder auch 3to10. Die Stunde Mittagspause wird nämlich nicht eingerechnet, aber es ist Pflicht, sie zu halten. Mahlzeit, schallt es einem dann von den Kollegen entgegen. Prost Mahlzeit.

Einige von uns freuen sich auf den Einstieg ins Berufsleben. Sie wissen genau, was sie aus ihrem Leben machen wollen, was sie werden wollen und sind bereits auf dem sicheren Weg dorthin. Sie erweiterten bereits im Studium ihre fachlichen Qualifikationen, und bewerben sich nun für genau die Berufe, die sie ergattern wollen. Möglicherweise in großen Unternehmen oder Kanzleien, immer mit den aussichtsreichsten Karrierechancen. Denen kann ich einerseits dafür gratulieren, dass sie ihren Weg genau kennen und andererseits sagen: ihr nervt!

Zwischenphasen: Zwischen Vision und Realität

Der Großteil unserer Generation jedoch weiß nicht, wohin nach der Uni, genauso wenig, wie wir es nach der Schule wussten! Es ist wieder genauso wie mit 18, nur vielleicht schon fünf oder zehn Jahre später.

Wir haben diese unerreichbar hohen Erwartungen an uns und wie unser Leben ausschauen soll und wissen innerlich doch genau, dass es wahrscheinlich nie so verlaufen wird, wie wir es uns in der Fantasie ausmalen.

Vielleicht bekommen wir nicht den Job, der uns erfüllt, vielleicht bereisen wir nicht die Welt, vielleicht wählen wir die falsche Stadt, vielleicht bekommen wir keine Kinder, vielleicht finden wir nicht den richtigen Partner, der alles besser macht, uns Halt gibt, und unsere Leere füllt (besonders an einem dunklen Novemberabend).

Die andern sind ja irgendwie auch alle viel gebildeter als wir, viel spezialisierter, viel abenteuerlustiger, mutiger und zudem attraktiver als wir selbst.

Die Konkurrenz ist einfach zu groß für uns, dem einzelkämpfenden Ichling.

Kurswechsel: Warum wir ab und zu inne halten sollten

Nochmal von vorne anfangen? Undenkbar! Werden wir doch auch nicht jünger …

Trotzdem sollten wir uns immer wieder vor Augen halten: Es ist nie zu spät. Wir können immer wieder umkehren und unseren Kurs ändern. Die meisten von uns haben noch keine so großen Verpflichtungen, sind noch nicht so festgefahren und können jederzeit nochmal neue Biegungen machen. Die besten Jahre liegen nicht hinter uns!

Natürlich wünschen wir uns, wir hätten früher angefangen, uns Gedanken darüber zu machen, was nach dem Studium kommt. Früher angefangen, uns darauf vorzubereiten. Möglicherweise könnten wir schon weiter sein, hätten wir nicht immer so lange geschlafen, so viel ferngesehen und weniger  Zeit mit Facebook vergeudet.

Die Wahrheit ist aber, wir alle prokrastinieren.

Wir alle haben die größten Ansprüche an uns, üben uns in Selbstoptimierung Disziplin und Effizienz, sind enttäuscht, wenn wir etwas nicht auf unserer täglichen To-Do-Liste abhaken können, sodass wir uns faul fühlen, oder unnütz, oder dann einfach nur wütend auf uns selbst sind.

Schluss damit! 

Wir sollten aufhören, uns so zu fühlen! Wir sind nicht alleine, uns allen geht es so! Wir fühlen uns so gespalten, weil wir uns diese Ambivalenz selbst aussuchen. Einerseits wollen wir Sicherheit und Beständigkeit, andererseits wollen wir stets das Neue und Aufregende – ein interessantes Leben. Wir wünschen uns eine Beziehung, aber bitte eine, die keinen Stress macht und uns alle Freiräume lässt, eine flexible Bindung sozusagen. Wir wünschen uns einen gutgezahlten Job, er muss aber Spaß machen und viel Freizeit lassen. Karriereträume vs. Work-Life-Balance.

Wir wollen schlank sein, aber auf kein Stück des Kuchens verzichten. Wollen Ehemann, Kinder und das ganze Familienpaket aber vorher noch die ganze Welt bereisen.

Wir wollen alles und am besten noch alles gleichzeitig!

Das ist (vielleicht) zu viel!

Hole dir jetzt mein kostenloses E-Book – SCHNELL die RICHTIGEN Entscheidungen treffen.

Registrieren Sie sich jetzt, um eine Email zu erhalten, wenn ich neue Inhalte publiziere.

Ich werde niemals Ihre Email Adresse weitergeben, handeln oder verkaufen. Sie können die Benachrichtigung jederzeit abbestellen.

7 Kommentare

  1. Pingback: Zuerst du, dann die anderen! Warum wir mehr Selbstfürsorge im Alltag brauchen | Generation Y

  2. Ich bin grade auf deinen Blog aufmerksam geworden und ich finde deine Themen so ansprechend! Ich kann hat nicht aufhören zu lesen und zu kommentieren! Deine Art zu Schreiben gefällt mir wahnsinnig gut!
    Ich befinde mich auch gerade in dieser Übergangsphase vom Studium zu.. ja wohin? Ich finde das Gefühl so unangenehm! Aber auf der anderen Seite: strickt nach dem Plan der Gesellschaft zu gehen ist vorbei! Ich möchte endlich mal das tun, was ich auch wirklich möchte! Schluss mit der strengen Kritik an sich selbst! Lieber die Energie für die Wünsche und Träume nutzen 🙂 freue mich schon auf nächsten Montag 😀

    Antworten

    • Vielen Dank liebe Ela für dieses wunderschöne Kompliment! Es freut mich, dass du meinen Blog gefunden hast und dich angesprochen fühlst. Das mit dem unangenehmen Gefühl kenne ich so gut. Man denkt, immer den Erwartungen anderer gerecht werden zu müssen. Seit ich beschlossen habe, mich nicht mehr ständig zu rechtfertigen, sondern einfach in meinem Tempo herauszufinden, was ich machen möchte, geht es mir besser. Schluss mit den Rechtfertigungen und dem Schlechtfühlen. Das ist unser Leben und wir müssen es ausschließlich für uns im Innen so schön wie nur möglich gestalten.

      Antworten

  3. Pingback: 10 Dinge, die ich meinem 18-jährigen Ich gerne sagen würde | Generation Y

  4. Pingback: Liebe Selbstverwirklichung, du nervst! Eine Hassliebe. | Generation Y

  5. Pingback: Schamgefühl – Wie oft steht dir deine Scham im Weg?

  6. Pingback: Irgendwas ist immer! 5 Tricks, wie du dein Bullshit-Gedankenkarusell stoppen kannst | Generation Y

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.