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Schamgefühl, lass nach! Warum uns so viel peinlich ist

Schamgefühl

„ Schamgefühl, lass nach!“

„Oh nein, wie peinlich!“

„Was denkt der denn jetzt bloß über mich?“

„Du bist doch doof!“

Kennst du solche Selbstgespräche auch?

Falls nein, herzlichen Glückwunsch, du bist wahrscheinlich ein Mann. Oder narzisstisch veranlagt oder beides. Oder du hast einfach ein tolles Selbstvertrauen, dann wirklich herzlichen Glückwunsch! 😉

Zu meinem Alltag gehören sie leider so selbstverständlich wie Zähneputzen.

Als Kind waren mir meine Eltern peinlich. Ich fand sie anders als andere Eltern und wollte doch einfach nur eine „normale“ Familie haben. Heute weiß ich, sowas gibt es nicht.

In der Pubertät wurde dann alles nur noch schlimmer! Es war mir peinlich vor Gruppen zu sprechen, ich schämte mich für meinen zu schnell entwickelten Körper und wollte generell einfach nur so sein, wie alle anderen auch.

Untergehen in der Masse.

Quasi unsichtbar.

Schamgefühl: Ich gehe einen anderen Weg als die Masse.

Heute ist das letzte, was ich sein möchte, unsichtbar. Und ich wünsche mir auch kein 08/15-Leben mit all den anstrengenden gesellschaftlichen Normen. Nur weil sich im Normalfall jeder nach dem Studium einen „guten“ Job sucht und dann 40 Jahre lang für seinen Chef arbeitet, gilt das nicht für mich. Ich habe eigene Träume, eigene Vorstellungen und verzichte dafür lieber auf so einige Sicherheiten und erhalte mir eines, nämlich: Freiheit.

Trotzdem ist meine absolute Hassfrage: „Und, was machst du jetzt beruflich?“

Denn dann merke ich, dass ich herum hasple, dass meine Augen den Blicken meines Gegenübers ausweichen und ich nur leise nuschele, dass ich freiberuflich arbeite, als Texterin.

Und diese Antworten dann immer. Zum k***!!!! 

„Was ist das denn?“ (Ich verstehe nicht, was man an dem Wort Text-erin nicht verstehen kann?!)

„Da verdient man ja gar nichts?“

„Mach doch lieber erstmal was Richtiges“

„Warum bewirbst du dich nicht einfach irgendwo?“

„Und was ist mit Rente?“

und das schlimmste, beinahe schon wieder zum lachen:

„Oh je, du Arme!“

Und dann höre ich mich rechtfertigen und beschwichtigen und Sätze sagen, die das schlimme Verb „versuchen“ beinhalten. Als wäre das Ganze nur eine Testphase, ja, eine Spinnerei statt tatsächliche Selbstverwirklichung.

WARUM ist mir das peinlich?

Mein weiseres Ich weiß, dass es nichts gibt, wofür ich mich schämen muss! Meine Selbstständigkeit – ja Selbstständigkeit, kommt drauf klar – läuft gut. Ich verdiene genauso gut, wie wenn ich in irgendwelchen PR-Agenturen oder Redaktionen angefangen hätte. Das ist kein Versuchen, denn es gibt für mich keinen Einstieg in eben jene 40-Stunden-Wochen auf einem Bürostuhl. Da texte ich lieber 70Stunden-Wochen auf meiner Couch und arbeite dafür NUR in meine Tasche.

Und überhaupt, das ist meine Entscheidung. Welches Recht hat jemand, mir belächelnde Tipps zu geben?

Trotzdem, es ist mir peinlich! Lieber würde ich sagen, dass ich jetzt in der Presseabteilung von BMW arbeite oder als Reporterin bei RTL.

Das würde keiner belächeln und bescheuerte Zweifel anmelden. Das hätte Zukunft und Prestige!

Sowas machen eben alle.

Was steckt hinter dem Schamgefühl?

Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass sich besonders eine Gruppe ständig schämt: nämlich Frauen!

Ja, wir Frauen schämen uns für so einiges: unser Gewicht, unseren nicht vorhandenen Beziehungsstatus, der bei Männern übrigens gar kein Problem darstellt, unsere Zeichen der Hautalterung und, wenn wir eine Familie plus einen Job haben, fragen wir uns eigentlich ständig, ob wir gute Mütter sind.

Dahinter steckt die Angst, nicht zu genügen!

Unser Schamgefühl verschließt uns Türen

Aufgrund der Angst, uns zu blamieren, gewöhnen wir uns so manche Vermeidungsstrategien an:

  • Ich würde gerne ins Fitnessstudio gehen, um Sport zu machen, aber ich bin viel zu dick und möchte nicht, das andere mich so sehen, deshalb bleibe ich lieber daheim am Jammern.
  • Ich möchte so gerne studieren, aber Referate halten, vor so vielen Menschen? Lieber nicht! Eine Ausbildung ist sicherer …
  • Ich würde Johanna so gerne kennenlernen. Aber wenn ich sie anspreche, riskiere ich einen Korb, also lass ich es lieber! Sie will sicher sowieso niemanden wie mich.
  • Der soziale Beruf würde mir viel besser gefallen. Aber niemand könnte verstehen, wenn ich meinen gut bezahlten Job in der großen Firma an den Nagel hänge. Ich möchte nicht als Versager dastehen.

Dies waren nur vier Beispiele, in denen wir auf etwas verzichten, wegen der Angst, was andere von uns denken! Kleine und große Träume werden aufgrund unserer Scham oftmals schon im Keim erstickt.

Seien es Hautprobleme, ungeliebte Körperteile, oder unsere Vorlieben, für irgendwas schämt sich jeder, auch wenn es andere Menschen meistens gar nicht nachvollziehen können. Wir schämen uns sogar dafür, alleine zu sein! Alleine ins Kino, essen gehen oder verreisen – dann denken die anderen doch sicher: „Der Arme hat keine Freunde!“ „Was für ein komischer Kauz.“ Durch solche Denkmuster handeln introvertierte Menschen oftmals wider ihre Natur.

Warum wir im Grunde immer so sein wollen, wie die anderen

Natürlich, wir wollen anders sein, als die anderen. Etwas ganz besonderes! Einzigartig! Doch stimmt das tatsächlich?

Viele Jahre meines Lebens ging ich mit Körbchengröße 75F durchs Leben. Genetisch bedingt, dieses nervige Brustwachstums-Gen liegt wohl in unserer Familie. Nicht nur, dass man bei dieser Größe kaum passende Klamotten geschweige denn Bikinis findet, nein, man muss zu allem Verdruss auch noch die ganzen nervigen Blicke ertragen und das Tag für Tag. Brustverkleinerung sei Dank, bin ich nun mit einer „normalen“ Größe gesegnet, mehr wie alle andern, unsichtbarer. Im doppelten Sinn eine wahre Erleichterung.

Ein Schamgefühl, das jeder kennt: Der Kater danach

Schamgefühle

Ein verkaterter Morgen, du wachst auf und fühlst dich wie gerädert. Deine Glieder schmerzen, dein Mund ist trocken und du hast die Kopfscherzen deines Lebens begleitet von absoluter Übelkeit. Doch das Schlimmste, was dich trifft, wenn die ersten Nebelschwaden deines Verstandes sich langsam lüften, ist dein Schamgefühl! Oh nein, wie peinlich habe ich getanzt, was habe ich nur alles erzählt und von mir preisgegeben, ich will einfach nur im Erdboden versinken.

Kommt dir dieses Szenario irgendwie bekannt vor?

Falls nein, wieder herzlichen Glückwunsch! Falls ja, willkommen im Club der Peinlichkeit!

7 Schritte, wie du deine Scham in den Griff bekommst

  1. Akzeptanz: Alle Gefühle kommen und gehen. Du hast etwas getan, was dich in deinen Augen bloßstellt? Auch wenn es dir nicht gefällt, die Situation ist vorbei, das Gefühl der Peinlichkeit wird vorübergehen. Du bist nur ein Mensch und Menschen machen Fehler.
  2. Dein Verhalten ist nicht deine Person: Ein Missgeschick mindert nicht deinen Wert als Mensch!
  3. Ist es in fünf Jahren noch relevant? Oder in fünf Monaten? In fünf Tagen? In den meisten Fällen wohl nicht …
  4. Tröste dich wie ein Außenstehender: Wie würdest du deiner besten Freundin/ deinem besten Freund zureden, wenn dieser Person das passiert wäre, wofür du dich schämst? Wir messen meistens mit zweierlei Maß und sind uns selbst gegenüber weitaus verurteilender als bei anderen.
  5. Stopp! Stopp deine kreisenden Gedanken, sie helfen dir nicht weiter. Im Gegenteil, durch sie verstärkst du deine negativen Schamgefühle.
  6. Erinnere dich an deine Erfolge! Du hast vielleicht etwas Blödes gemacht, wofür du dich gerade schämst, aber denk doch mal daran, wieviele tolle Sachen du schon erreicht hast.
  7. Nähere dich deinem Selbstbild an! Wenn es zu deinem Selbstbild gehört, gewisse Dinge unbedingt zu können, lerne sie. Gehe in dich und finde heraus, was du willst und wie du WIRKLICH sein möchtest.

Zu viel Schamgefühl ist wie eine Zwangsjacke

Scham ist einerseits gut um gesellschaftliche Grenzen aufrecht zu erhalten. Auf der anderen Seite kann Scham auch auch zur „Zwangsjacke“ werden, die dem persönlichen Fortschritt und Wachstum im Wege steht und uns oftmals auch prokrastinieren lässt. Regelbrüche und Wagemut sind für uns als Menschen notwendig, denn

Wer Angst vor einer Blamage hat, wagt keinen Schritt nach vorn. Brené Brown

Erkennst du dich wieder? Schämst du dich auch viel zu oft für eigentlich (von außen betrachtet) banale Dinge? Ich freue mich, wenn du deine Erfahrungen in den Kommentaren mit uns teilst!

Deine Ronja

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