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Digital Detox. Warum Offline der neue Luxus ist und 6 Tipps, wie du es schaffst, öfter mal abzuschalten

Digital Detox

Wann war dir zuletzt richtig langweilig? Also so richtig? So dass du nicht wusstest, was du tun sollst und dir die Decke auf den Kopf zu fallen schien.

Langeweile, das ist die Zeit, „in der das Nichtstun ein unwohles und unterforderndes Gefühl hinterlässt“.

So steht es jedenfalls in meinem Lexikon.

Wenn ich zurückdenke, fällt mir das letze Mal absolute Langeweile ein, als ich 17 war und sich die Sommerferien schier ins Unendliche zogen. Meine Freunde waren entweder verreist oder schon im Berufsleben angekommen und vor mir lagen sechs Wochen Nichtstun bei Dauerregen (Deutschland und so …).

Damals gab es den Begriff Digital Detox noch gar nicht. Eg gab kein iPhone und es konnte niemand für mich im Urlaub auf WhatsApp erreichbar sein. Ich musste auch nicht voller Neid auf Urlaubsfotos von Freunden auf Facebook oder Instagram blicken, denn damals war Lokalisten der neuste Schrei und da traute man sich noch nicht so viel zu stalken, denn es wurde einem ja angezeigt, wer auf seinem Profil gestöbert hatte.

Also begann ich zu lesen.

Etwa drei bis vier Bücher pro Woche.

20 Bücher in sechs Wochen Sommerferien.

Eine Zahl auf die ich letzten zwei Jahre vielleicht grade mal so zusammen kam mit sämtlichen Unterbrechungen.

Denn seit es Smartphone gibt, Facebook und Instagram, WhatsApp und YouTube, Snapchat und ein Mailprogramm auf dem Handy, seitdem gibt es keine ruhige Lesezeit mehr. Und auch irgendwie keine Langeweile mehr.

Langeweile – Das Gegenteil von kurzweilig.

Kurzweilig kennt unsere Generation. Das ist das Gefühl, wenn du mal kurz nachdenken willst, vielleicht sogar dabei bist zu schreiben, zu lesen, zu malen oder einfach nur frische Luft zu schnappen und dann das Telefon klingelt. Dann mal wieder jemand was von dir will. Entweder in der Arbeit, in der noch so viel geregelt werden muss oder Freunde, die dringend deine Hilfe brauchen oder eine Kommentarmeldung zu deinem neuen Instagrampost angezeigt wird, die du unbedingt noch schnell checken willst.

In dieser Zeit verfliegen die Stunden, laufen nur so ins Nichts.

Aber Langeweile, das Gefühl des Nichtsmüssens, des absoluten Nichtstuns, das kennt sie gar nicht mehr. Denn egal wie erholsam der Tag am See auch ist oder mit wieviel Selbstfürsorge wir den Spaziergang im Wald praktizieren, da sind immer schon diese kleinen Stimmen im Hinterkopf, die einen daran erinnern, was morgen noch alles gemacht werden muss.

Oder nächste Woche, oder nächsten Monat.

Da werden unsere Gedanken unterbrochen vom Vibrieren in der Tasche, das uns dazu zwingt, nachzusehen, wer gerade schreibt. Dieses Handy (ja, ich sage noch Handy) hat Macht über uns!

Offline Zeit

Wie das Smartphone unser Handeln bestimmt

Es hat schon etwas Zwanghaftes.

Wenn unser Handy klingelt oder vibriert, während es auf dem Fenstersims liegt, und wir selbst gerade auf dem Sofa entspannen, bequemen wir uns umgehend auf und huschen durchs Zimmer.

Aus Neugier wer gerade schreibt? Aus dem unguten Drang möglichst schnell antworten zu müssen? Aus der Angst etwas Wichtiges zu verpassen?

Sind wir ehrlich, meistens erreichen uns nur Mitteilungen, für die auch später Zeit wäre. Oft sogar welche, die niemals wichtig sind („Schau mal, das habe ich gerade gekocht“), („Was soll ich XY antworten?“) („Das Wetter nervt“) …

Schaffen wir es tatsächlich, das Handy auf stumm zu schalten, befällt uns spätestens nach 18 Minuten der Drang, einmal den Homebutton zu betätigen, um auf dem Display zu sehen, was wir „verpasst“ haben. Wir wollen ja wichtig sein, gebraucht werden, unsere Meinung verkünden. Und im Gruppenchat zu allem unseren Senf dazugeben.

Uhrzeiten spielen keine Rolle mehr, WhatsApp-Nachrichten werden mitten in der Nacht verschickt und auch für Anrufe gibt es keine „Sperrzeiten“ mehr. Hätte man früher nach 22 Uhr angerufen, wäre der Angerufene erschrocken von einem Notfall ausgegangen.

Immer online, immer Stand-By, immer erreichbar. Aber eigentlich nie mehr richtig da.

Fahre ich zum Beispiel mit dem Zug nach Hause und meine Mutter holt mich dann vom Bahnhof ab, bin ich auf der Autofahrt am iPhone – egal wie lange wir uns nicht gesehen haben.

Rausschauen wäre ja auch zu langweilig.

Von der Zugfahrt ganz zu schweigen. Die Stellen an denen der Empfang schlecht wird, kennt man bereits auswendig und dennoch regt man sich jedes Mal auf, wenn Spotify deswegen hängt, die Whatsapp nicht durchgeht oder das Telefonat unterbrochen wird. Telefonieren während dem Zugfahren, ist eh eine super Idee, denn so kann man die vergeudete „Warte-Zeit“ nutzen. Schamgefühl gegenüber unseren Mitreisenden, die gezwungenermaßen die intimsten Storys über uns mit anhören  – Fehlanzeige!

Telefonieren möchte unsere Generation sowieso nur noch ungern.

Lieber quatscht man sich alberne Sprachnachrichten aufs Handy, die manchmal bis zu vier Minuten dauern und häufig von schweigendem Nachdenken und vielen „Ähms“ durchzogen sind.

Spannend für den Hörer!

Vor allem wenn er in Minute eins etwas erwidern will und seine Antwort aber bis Minute drei vergessen hat, weil er natürlich noch auf die anderen Punkte des Monologs seines Gegenübers eingehen muss.

Dann heißt es: nochmal anhören, Handy dabei ans Ohr halten und auf gute Internetverbindung hoffen.

Richtig telefoniert wird dann eben nur noch, wenn man es nebenher machen kann: beim Autofahren, auf dem Weg zur U-Bahn oder während man den Haushalt macht.

Einfach mal hinsetzen und seinem Gesprächspartner die volle Aufmerksamkeit schenken, das gibts kaum mehr.

Digitale Ruhe

Ein ständiges Dauerrauschen im Hintergrund

Wir brauchen es anscheinend laut um uns, damit wir unsere Gedanken nicht mehr hören müssen.

Es gibt Menschen, die den Fernseher oder das Radio immer nebenbei laufen lassen müssen, sobald sie in ihren vier Wänden sind: zum essen, zum einschlafen, zum aufstehen, zum „entspannen“.

Und es gibt noch mehr Menschen, die in jeder Minute, die irgendwie mit Warten zu tun hat, das Handy zücken. Mich eingeschlossen.

Am Supermarkt in der Schlange, im Wartezimmer beim Arzt, in der U-Bahn unterwegs und wenn man vor seinen Freunden am Treffpunkt erscheint und wartet.

Hauptsache nicht den Anschein machen, allein zu sein.

Hauptsache niemals mehr allein sein.

Mit sich und seinen Gedanken.

Durch diese andauernde Ablenkung bleibt keine Zeit mehr für Langeweile.

Müßiggang ist so ausgestorben wie das Wort selbst.

Digital Detox Horror: Akku leer!

Die moderne Langeweile kommt erst auf, wenn der Akku wirklich leer ist und uns eine Zeitspanne ohne Stimulation von außen bevorsteht. Dann fühlen wir uns leer und starren fast schon verzweifelt aufs schwarze Display.

Mit uns selbst beschäftigen müssen.

Grausam!

Wir stehen auf einmal uns selbst gegenüber und in unserem Kopf, wo früher Ablenkung und Berieselung herrschte, ist es nun leer, schrecklich leer, entsetzlich leer.

Da merken wir erst, wie lange so eine Zugfahrt sein kann und wie langsam sich die Minuten des Wartens hinziehen. Sonst jammern wir immer darüber, wie schnell die Zeit verfliegt, dabei liegt es doch in unseren Händen, sie anzuhalten: Nämlich indem wir einfach mal das iPhone ausschalten.

Die versteckte Sehnsucht nach der Stille & Digital Detox – der Meditationsboom

Auf der anderen Seite sehnen wir uns nach dieser Stille! Denn gerade in den letzten Jahren erleben Meditation, Schweigeretreats und Vipassana-Klosteraufenthalte einen Boom.

Immer mehr Menschen zahlen Geld dafür, fünf bis zehn Tage am Stück zu schweigen. Acht Stunden täglich zu meditieren. Ich selbst habe auch schon öfter mit den Gedanken gespielt, aber die Angst davor mit mir und meinen Gedanken verrückt zu werden, ist zu groß.

Achtsamkeit ist das neue Trendwort, der Hashtag wurde bei Instagram bereits knapp 68 Tausend Mal verwendet. Die Wissenschaft spricht sogar von einer Achtsamkeitsrevolution.

Abschalten Digital Detox

Offline sein ist keine Lösung, sondern eine Erholungsphase  – Die kluge Unerreichbarkeit

Wir leben in einer Zeit, in der wir unendlich viele Möglichkeiten haben, gerade durch das Internet, die Globalisierung und den schnellen Informations- und Kommunikationsfluss. Dafür können wir dankbar sein!

Das Motto „Früher war alles besser“  stimmt meiner Meinung nach auf keinen Fall!

Es geht hier also nicht um die Frage, ob wir uns dem Smartphone und der Erreichbarkeit entziehen sollen, sondern wie wir uns Ruheinseln im Alltag schaffen.

Im Internet gab es schon einige Challenges, wie wir Digital Detox angehen können. Die Challenge von Carina Hermann „30 Tage nicht vor 3“ gefällt mir besonders gut.

Morgens ist das Erste was wir machen: Der Blick aufs Handy. Nicht selten verlieren wir uns dann in Facebook, Instagram, Pinterest und verschenken somit das wertvollste unseres Tages: Den frischen Morgen. Bei dem unser Kopf noch frei ist und wir unsere Kreativität für Sinnvolleres bündeln könnten, als nur zu konsumieren. Selbst kreieren, statt zu prokrastinieren.

Digital Detox bedeutet übersetzt soviel wie „digitale Entgiftung“. Unsere stundenlangen Medien-Gewohnheiten aktiv und bewusst zu durchbrechen, um mal wieder Zeit für Produktivität oder Entspannung zu haben.

6 Digital Detox Tipps, die dir helfen können:

  1. Kauf dir einen analogen Wecker. Wenn morgens der erste Blick nicht der direkt aufs Display unseres Smartphones ist, fällt es uns leichter, den Morgen ohne Social-Media-Check zu vergeuden.
    Abgeschwächte Form des Digital Detox: Schalte nachts den Flugmodus ein und lass ihn morgens drin, wenn du den Wecker ausschaltest.
  2. Deinstalliere dein Emailprogramm, Facebook, Twitter, Pinterest und Instagram von deinem Handy, sodass du lediglich über den Computer Zugang dazu hast.
    Abgeschwächte Form des Digital Detox: Logge dich nach Benutzung immer wieder aus, so dass du dich zumindest jedes Mal wieder neu einloggen musst, um die Apps zu nutzen.
  3. Schalte alle Pushnachrichten aus.
    Abgeschwächte Form des Digital Detox: Schalte alle Pushnachrichten außer WhatsApp aus.
  4. Reserviere dir für das Lesen und Beantworten von E-Mails bestimmte Zeiten, genauso wie für das Checken deiner Social-Media-Accounts. Beginne damit erstmals nach 15Uhr.
    Abgeschwächte Form des Digital Detox: Checke erstmals nach 12Uhr.
  5. Lass dein Handy mal Zuhause, wenn du einkaufen gehst, Sport machst oder Freunde triffst.
    Abgeschwächte Form des Digital Detox: Lass dein Handy in der Hosentasche bei diesen Aktivitäten.
  6. Gehe einen kompletten Tag pro Woche offline. Von Mitternacht bis Mitternacht, bleibt das Handy einfach aus!
    Abgeschwächte Form des Digital Detox: Gehe einen Tag pro Monat offline.

Ich bin froh, als letzte Generation ohne „Internet“ aufgewachsen zu sein, denn dadurch hatte ich noch Zeit für lesen, basteln, malen, Puppentheater und Geheimsprachen. Gleichzeitig bin ich dankbar dafür, welche Möglichkeiten uns die digitale Welt heute bietet.

Wie ist das bei dir? Bist du ständig erreichbar? Fühlst du dich dadurch gestresst? Hast du schon ausprobiert, öfter mal offline zu gehen? Oder gar für längere Zeit Digital Detox für dich entdeckt?

Ich freue mich auf deine Kommentare!

Deine Ronja

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