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Die ewige Suche nach dem Sinn im Job!

Gastbeitrag von Luise! 
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Ich bin Luise und Bloggerin aus Leidenschaft. Ich liebe Fahrrad fahren und Mittagsschlaf. Ich lebe für Liebe, Wärme, Licht und Farben. Und dafür, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Mein Blog www.zeitgeistich.de ist mein Herzensprojekt und dreht sich um alles, was Freude macht oder heilen hilft. Dazu gehört für mich Nachhaltigkeit (Umwelt heilen), Lebendigkeit (uns heilen) und Minimalismus (loslassen lernen). Es ist meine tiefste Überzeugung, dass mit ein bisschen mehr Selbstliebe in jedem von uns die Welt ein noch schönerer Ort wird. Also, lasst uns anfangen 🙂

 

Naiv, fordernd, völlig überheblich und immer mit großem Blick aufs Ganze an der Weltrettung interessiert.

So oder so ähnlich, fassen Unmengen an Beiträgen die furchtbare Arbeitsmoral der Generation Y zusammen. Ich glaube, dass dieses Bild so ganz und gar nicht der Wahrheit entspricht!

Eine neue Arbeitswelt in veralteten Strukturen

Es heißt, wenn Wirtschaftsbosse sich nicht auf die neue Generation einstellen, dann wird es düster aussehen. Die Ansprüche sind so anders als die der vorherigen Generationen, dass man alles neu erfinden muss.

Und wie unglücklich doch die Generation Y in den heutigen Büros ist.

Das müsste im Umkehrschluss bedeuten, dass heutige Mitarbeiter mit den bisherigen Arbeitsbedingungen, Unternehmenskulturen und moralischen Vorstellungen – zumindest weitestgehend – zufrieden sind.

Nun, ich arbeite selbst in einem Großkonzern und kann deswegen aus erster Hand berichten: dem ist nicht so!

Die Generationen vor uns haben nur aufgehört, an Veränderung zu glauben und sich ihrem Schicksal in leisem Leiden gebeugt.

Mittlerweile lerne ich immer mehr Menschen kennen – auch viele deutlich oberhalb der 40 oder 50 – die dazu nicht mehr bereit sind. Sie kündigen Jobs, weil sie nicht mehr zu ihnen passen.

Fangen nochmal ganz von vorne an.

Egal, wie alt sie sind.

Und das ist gut so.

Und warum gerade jetzt?

Es gibt zwei offensichtliche Gründe, warum wir jetzt gerade anfangen, uns den Luxus der Selbstverwirklichung, des Idealismus und der Sinnsuche zu gönnen.

Der erste ist: Wir erleben gerade die längste Friedensperiode in Europa.

Wir hungern nicht, wir haben keine Angst vor Bomben und auch nicht vor dem nächsten Winter. Wie leben in materiellem Überfluss und müssen vor nur sehr wenigen Dingen Angst haben. Das heißt: Wir haben jetzt mal Zeit dafür uns Gedanken zu machen, warum wir hier sind. Weil nichts unsere Existenz bedroht.

Der zweite Grund für unsere Freiheitsgedanken ist das Internet. Es ist ein unerschöpflicher Quell an Beispielen von Menschen, die es geschafft haben, dem Hamsterrad zu entfliehen und ihr eigenes Ding zu machen.

Und es bringt uns – diese kritische Masse an Menschen, die an eine andere Welt glaubt – zusammen.

Wir wissen, dass wir mit der Vorstellung von einer fairen, achtsamen und gemeinschaftlichen (Arbeits-)Welt nicht alleine sind. Ganz und gar nicht, wir sind sogar ganz schön viele.

Das Internet bringt noch eine weitere Eigenschaft mit sich:

Es war nie so einfach wie heute, unabhängig von einem großen Arbeitgeber Geld zu verdienen.

Du kannst mit Kryptowährungen spekulieren, deine Fotos anderen Leuten verkaufen oder eBooks schreiben. Eine Website ist heute schneller erstellt als es früher gedauert hat, überhaupt mal Windows zu installieren.

Wir werden unabhängiger.

Zwischen den Stühlen: Alte Welt, neue Welt

Ich lebe zerrissen zwischen zwei Welten. Die eine, ich nenne sie die „alte Welt“ besteht aus Streben nach materiellem Wert, aus von oben diktierten Gehaltserhöhungen, aus festgelegten Urlaubstagen und aus monatlichen Leasingraten für Autos, die die Miete für meine Wohnung weit übersteigen.

Sie kennt Gremien, Prozesse und Budgets. Und Macht, Ego und Hierarchien. Ein klares Verhältnis von Lehrer und Schüler, Boss und Mitarbeiter.

In der anderen Welt, der „neuen“, bauen wir gemeinsam unser Gemüse an, treffen basisdemokratische Entscheidungen, reden über Grundeinkommen und Zero-Waste-Konzepte. Terra Preta, Minimalismus und Meditation. Es geht um persönliche Weiterentwicklung und pay-what-you-can-Konsum (jeder zahlt, was er kann, nicht was er soll). Im Einklang mit unseren persönlichen Werten und Vorstellungen. Geld ist dafür gut, aber eben bei Weitem nicht alles. Und jeder lernt von jedem.

Diese beiden Darstellungen der alten und der neuen Welt sind natürlich überspitzt – aber für mich sind sie die Pole, zwischen denen sich jeder irgendwie einsortiert im Moment. Bewusst oder unbewusst.

Und das interessante an diesen beiden Welten ist, dass sie eben kein Alter kennen.

Die Menschen, die per Definition in die Generation Y gehören, finden sich in beiden Welten. Und ebenso finden sich Menschen aller anderen Altersklassen auch in beiden Welten.

Ich habe das (ausgesprochen subjektive) Gefühl, dass die neue Welt gerade stark wächst und natürlich finden sich dort deswegen auch viele jüngere Leute. Das ist sehr normal: Neues erschaffen, Dinge verändern, mit einer nicht enden wollenden Motivation wieder und wieder von vorn beginnen – diese Energie gehört nunmal eher an den Anfang des Lebens. Und dennoch ist es schön und begrüßenswert, wenn sich auch „Ältere“ davon anstecken lassen.

Welche Auswirkungen hat die „neue Welt“ auf unsere Arbeit?

Wir möchten das Gefühl haben, mit Menschen zusammenzuarbeiten, und nicht mit Abteilungen oder Telefonnummern.

Ja, uns interessiert wirklich, wie es dem Gegenüber geht!

Auch, und vor Allem gerade, wenn wir schwierige Zeiten im Leben haben ist es wichtig, darüber reden zu können. Nur leider ist es in der alten Welt nicht „en vogue“, darüber tatsächlich zu sprechen.

Wir sollen 8 oder mehr Stunden am Tag miteinander verbringen. Das heißt, meine Kollegen sind die Menschen, mit denen ich mehr Zeit verbringe als mit meinen Eltern oder mit meinem Partner. Und sie sollen auch diejenigen sein, zu denen ich die distanzierteste Beziehung überhaupt habe? Da stimmt doch was nicht in der Gleichung.

Ich will nicht nur abends Mensch sein dürfen.

Wir wollen nicht das Maximum an Geld aus der Kundentasche ziehen, sondern leben gern davon, dass Menschen mit dem, was wir leisten, zufrieden sind.

Wie Gandhi schon sagte:

Es ist genug da für Jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“

Als ich einen Top-Manager meines Unternehmens mal fragte, warum wir eigentlich Geld verdienen wollen, hatte er darauf keine Antwort. Wir wollen aber eine haben!

Start with why – warum tun wir, was wir tun?

Wir wollen das Gefühl haben, dass das, was wir tun, eine positive Auswirkung hat – irgendwo oder für irgendwen. Die muss gar nicht groß sein, aber sie sollte vorhanden sein. Positiv bedeutet nicht, dass wir besser dastehen als die Nachbarabteilung oder unser Chef vor dem Vorstand glänzen konnte. Oder wir mehr Budget für irgendwas bekommen.

Positiv bedeutet, irgendwas ist jetzt für irgendjemanden besser als gestern.

Ein Beispiel aus meiner Arbeitswelt

Ich habe mich gefragt, warum Mitarbeiter, die sich vom Unternehmen ein Auto leihen, um damit eine Dienstreise zu unternehmen, dieses nicht am Vorabend mit nach Hause nehmen können, insbesondere wenn sie um 7 starten müssen oder schon auf halber Strecke zum Ziel wohnen.

Es war ernsthaft so, dass die Menschen dann halt morgens um 6 nochmal zur Arbeitsstätte kommen mussten, um das Auto zu holen und dann loszufahren.

Ich habe so lange nachgefragt bis sich herausstellte, dass prinzipiell gar nichts dagegenspricht.

Und siehe da, nun dürften Kollegen das Auto am Vorabend mitnehmen und morgens eine halbe Stunde länger schlafen. Sprit gespart, Nerven gespart. DAS ist positiv und sinnvoll. Das hatte zwar gar nichts mit meiner Aufgabe zu tun, hat mich aber sehr motiviert.

Zeit für Veränderung!

Und dennoch – es geht schon auch ums große Ganze. Es geht darum, dass wir mit unseren Kindern und Kindeskindern noch auf dieser Welt leben können. Darum, dass jeder von uns seine Zeit auf Erden gerne hier verbringt. Es geht darum, für andere Menschen da zu sein und ihnen zu helfen auf ihrem ganz eigenen Weg. Es geht um echten, menschlichen Kontakt und darum, zusammen etwas zu erreichen.

Zusammen – eine klare Trennung zwischen Anbieter, Kunde und Lieferant gibt es nicht mehr.

Wir sind alle alles.

Jetzt ist gerade die Zeit für Veränderung und wer mitmachen will, kann das tun. Egal, wie alt er oder sie gerade ist.

Die Generation Y ist nur „zufällig“ die Generation, die jetzt gerade jung ist.

Die Menschen, die die meiste Schaffenskraft und die größten Visionen haben – so wie sie alle Menschen hatten, die am Beginn ihres (Arbeits-)Lebens standen.

Wir haben nur gerade einen sehr guten Nährboden dafür – vielleicht einen besseren, als die Generationen vor uns. Und dafür gilt es, dankbar zu sein.

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2 Kommentare

  1. Hallo Luise

    Das ist ein sehr erhellender und wahrer Artikel. Ich kann die Situation genau nachvollziehen,da ich selbst in einem Großkonzern agieren und durch Gremien schleiche. Ich komme damit zwar gut zurecht allerdings erschreckt mich immer wieder auch dass man nur von anderen Abteilungen spricht und viel Fingerpointing betreibt. Vielleicht klingt es etwas tagträumerisch aber ich sage auch permanent zu unserem Management, dass die einzige Chance ist gute Produkte auf den Markt zu bringen,wenn alle an einem Strick ziehen und nicht ein einzelnes Budget einer Abteilung wichtig ist.

    Dass Unternehmen muss insgesamt Profit erwirtschaften,so funktioniert der Kapitalismus und der hat uns auch die letzten 100 Jahre in diesen sehr angenehmen Status gebracht wo es uns an nichts fehlt. Aber wenn wir wie du schreibst auch wieder zusammenarbeiten aus Lust an der Arbeit und nicht aus Angst vor dem nächsten Gremium,dann kann was cooles dabei rauskommt.

    Danke für deinem Artikel noch einmal

    Viele Grüße
    Max

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  2. Naja, auch in eine start up, die gegründet ist von eine mensch, die im „alte welt“ lebt, kann man solche widersprüchlichen Situationen leider erleben.

    Antworten

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